Die Tagesordnung. Spurensuche. Die Methode ist einzigartig. Der Franzose Éric Vuillard untersucht seine Quellen nach jenen verräterischen Indizien und Details, die zeigen sollen, was sie ankündigen. In seinem jüngsten Werk die Katastrophe des Nationalsozialismus.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 19. Juni 2018 (02:24)
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Was er nicht gelten lässt, ist, dass man nicht hätte wissen können, was geschehen würde. Er beginnt mit der Schilderung des 20. Februar 1933, als sich 24 Industriemagnaten des Reiches dem Wunsch und Willen des Führers unterwarfen; ebenso wie es Kurt Schuschnigg tat, der am 12. März 1938 auf den Obersalzberg reiste. Immer glaubt man, Éric Vuillard wäre selbst Zeuge jener kleinsten Geschehnisse gewesen, aus denen sich alles ableiten ließe. Keine leichte Lektüre, aber ein so schmales wie spekulatives, vor allem aber beeindruckendes Werk. 

Éric Vuillard, „Die Tagesordnung“, 128 Seiten, gebunden, Matthes & Seitz Berlin, 18 e.