Trauer um Guillermo Mordillo. Der weltbekannte argentinische Cartoonist Guillermo Mordillo ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Bekannt machten ihn seine Knollennasenfiguren, gepaart mit sanftem Humor. Im Jahr 2015 gab es im Karikaturmuseum in Krems eine große Mordillo-Retrospektive mit 112 Originalwerken des Künstlers zu sehen. Auch dort trauert man um ihn.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 01. Juli 2019 (14:27)
Redtenbacher
Im Kremser Karikaturmuseum gab es 2015 eine große Retrospektive mit 112 Werken des Künstlers.

„Meine Sprache ohne Sprache ist die beste. Es ist die einzige, die ich ohne Akzent beherrsche.“ 

Erich Marschik
Guillermo Mordillo.

So kommentierte Mordillo einst seine sprach- und titellosen Cartoons. Die ersten davon veröffentlichte er vor über 50 Jahren in Frankreich - und weil er die Sprache nicht beherrschte, kam er eben ohne Worte aus.

Vor den sprachlosen Cartoons zeichnete er Grußkarten, davor Filmanimationen für die Paramount, da war er noch in New York, noch früher Illustrationen für Kinderbücher. Gezeichnet hat er schon als Bub, als er noch in den Straßen von Buenos Aires Fußball spielte. „Ich bin sozusagen zum Zeichnen geboren“, sagte er 2015 zur NÖN, als er mit Ehefrau und Tochter seine Ausstellung eröffnete.

Ohne Worte und ohne Titel - aber nicht ohne politischen oder gesellschaftskritischen Hintergrund waren seine Cartoons. „Einer meiner wichtigsten Cartoons ist eigentlich ein Cartoon gegen Totalitarismus“, sagte Guillermo Mordillo damals im NÖN-Interview. „Dabei hatte ich zuerst eine grafische Idee.“ Nämlich die, ein Haus in einer einheitsgrauen Einfamilienhausreihe bunt anzumalen. Dann kam ein Polizeiwagen dazu – und ein großes Missverständnis. „Der Cartoon wurde sogar in China veröffentlicht. Aber die interpretierten das ganz anders.“

"Humor ist die Zärtlichkeit der Angst"

Gottfried Gusenbauer, Künstlerischer Direktor Karikaturmuseum Krems ist „tief betroffen  von der Nachricht vom Tod des großartigen Guillermo Mordillo. Er war ein großer Künstler, der international viele Künstler und Künstlerinnen beeinflusst hat. Als Vertreter des sanften Humors hat er viele Menschen erreicht und war trotzdem immer bescheiden. Mit seinem Credo ,Humor ist die Zärtlichkeit der Angst' konnte er auch in absurden und bedrohlichen Situationen immer noch einen Funken Hoffnung finden.“ 

Anlässlich der Retrospektive des Künstlers im Karikaturmuseum Krems hatte Mordillo Gottfried Gusenbauer mit einem Augenzwinkern erklärt: „Ich fühle mich erst jetzt als richtiger Künstler, weil ich nun in einem Museum mit meinen Arbeiten ausgestellt bin!“

Biografie Guillermo Mordillo

Guillermo Mordillo Menéndez wurde 1932 in Buenos Aires geboren, wo er auch aufwuchs. 1955 verließ er sein Elternhaus, um in Lima (Peru) erste Arbeitserfahrungen in einer Werbeagentur zu sammeln. Von 1960 bis 1962 arbeitete er als Zeichner für die Paramount Cartoon Studios in New York. Anschließend ging er nach Paris, wo er seine unverkennbaren Figuren entwickelte, die unter anderem in Paris Match und dem Stern erschienen. 1972 begann er eine Zusammenarbeit mit dem Heye Verlag, für den er heute noch Puzzles und Kalender entwickelt. Mordillos Cartoons erscheinen weltweit in bedeutenden Zeitungen und Zeitschriften, für seine Arbeiten wurde er vielfach mit wichtigen internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2014 in Venedig mit dem renommierten Pulcinella Award. Bis zuletzt arbeitet Mordillo an einem animierten 3-D-Kinofilm für die ganze Familie.

Mordillos Figuren: Bestehendes nicht einfach hinnehmen

Guillermo Mordillo war für seine strahlend weißen Knollennasenfiguren, farbenfrohen skurrilen Tiere und fantastischen Fabelwesen weltbekannt. In nur einem Bild erzählte er ganze Geschichten voller Humor und kritischem Hintersinn, der sich oft erst auf den zweiten Blick offenbart. Die Inspiration zu seinen Sujets erhält er im Alltag, indem er Menschen in Alltagssituationen, Gebäude und scheinbar Unsichtbares fotografisch festhielt. Seine Protagonisten gerieten in alle möglichen und unmöglichen Situationen, für die sie mit viel Witz und Schläue absurde und zugleich ganz logische Lösungen fanden. Seine Figuren, so meinte der Künstler, sind nicht besonders mutig oder naiv, sie sind nur nicht bereit, Bestehendes einfach hinzunehmen.