Pizzera & Jaus: „Wie kann man was gegen Liebe haben?“. Das Album „unerhört solide“ von dem Mundartduo Paul Pizzera und Otto Jaus steht mittlerweile seit 102 Wochen in den Charts. Der Steirer (Graz) und der Niederösterreicher (Großebersdorf, Bezirk Mistelbach) reden bei ihrer CD-Präsentation des zweiten Albums „wer nicht fühlen will, muss hören“ über Dankbarkeit, Liebe und Rückzugsorte am Land.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 05. September 2019 (14:29)
Philine Hofmann
Seit mittlerweile mehr als drei Jahren tourt das Duo - bestehend aus Paul Pizzera und Otto Jaus - mit ihrer Mundartmusik.

NÖN: Unzählige Preise, dreifach Platin, ein Konzert in der ausverkauften Wiener Stadthalle. Ihr beide seid schon lange als Musiker unterwegs. Aber wie viel davon kann man planen?

Otto Jaus: Ich wollte schon immer mit eigenen Songs auf der Bühne stehen und auch mit einem eigenen Programm. Und das hat zum Glück super funktioniert und dann durch göttliche Fügung, Schicksal, wie man es auch nennen will und dann habe ich den Pauli kennengelernt. Dann war das mit dem Hitschreiben eigentlich gar nicht mehr so schwer, weil das hat dann dieser geniale Mensch hier übernommen.

Paul Pizzera (lacht): Wir können einfach wahnsinnig viel voneinander lernen. Wir haben uns zufällig kennengelernt und uns gegenseitig auf der Bühne gesehen und uns privat und künstlerisch sehr geschätzt. Wir haben uns die Hand draufgegeben, dass wir gemeinsam was machen und from plan to progress ist das, wo wir jetzt sind. Und es ist einfach unglaublich cool, gemeinsam das machen zu können. Wir zählen gegenseitig zu unseren besten Freunden. Es ist einfach wahnsinnig schön mit einem Menschen, den man wahnsinnig schätzt, gemeinsam künstlerisch schaffen zu können und auch noch davon leben können. Es ist wirklich Dankbarkeit und Ehrfurcht dafür, wie sich das entwickelt hat.

Zusammenarbeit ohne Reibungen

NÖN: Für das Video zur aktuellen Single „kaleidoskop“ habt ihr Paare gebeten euch Videos von deren Heiratsanträgen und Hochzeiten zu schicken. Wann war für euch klar, dass ihr gemeinsam durchs Leben gehen wollt?

Jaus: Es ist so, dass wir uns von Anfang an sehr sympathisch waren. Wir haben uns die Hand darauf gegeben, dass wir gemeinsam was machen wollen. Das kann man schnell sagen, aber wenn der Funke nicht überspringt, was den Charakter betrifft. Dann haben wir gesagt, nur wir zwei fahren in die Pampa nach Italien in die Toskana. Nur zehn Tage wir Zwei und das hat ohne Reibungen funktioniert. Da war eigentlich klar, dass wir sowas von gut können. Selbst, wenn es beruflich nicht so groß geworden wäre, wären wir trotzdem noch Freunde.

Pizzera: Wir haben gemerkt, wir funktionieren miteinander. Jeder hat seine Macken und Fehler, aber es ist ja eine Partnerschaft. Wir verbringen mindestens so viel Zeit über das Jahr miteinander wie mit unseren Partnerinnen. Das muss halt einfach funktionieren. Wir haben einfach gegenseitig extrem viel Respekt vor dem, was der andere tut.

Paul Pizzera
NÖN-Redakteurin Teresa Sturm erzählten Paul Pizzera und Otto Jaus von ihrer engen Freundschaft und Freude bei der Arbeit.

NÖN: Es ist auffallend, dass ihr im Video zu „kaleidoskop“ sehr auf die Diversität der Paare geachtet habt. War das euer Wunsch oder wie wurde die Auswahl getroffen?

Pizzera: Die Videoauswahl wurde von der Firma „Mutterschiff Film“ getroffen, wir hatten aber immer die Hand drüber. Wir haben das Glück, dass wir eine sehr breitgefächerte Fangemeinde haben. Natürlich ist es dann auch schön, wenn sich ein lesbisches Pärchen bei der Hochzeit küsst oder ein Paar mit verschiedener Hautfarbe. Jeder, der seine sieben Zwetschken beieinander hat, kann sich ja nicht daran stören, dass irgendwer sich liebt. Ich meine, wie dumm kann man sein. (Jaus lacht auf). Wie kann man was gegen Liebe haben? Und das war einfach schön und natürlich ist es auch ein bisschen ein Statement, dass wir für Offenheit sind und ein positives Entgegenkommen, egal, welche sexuelle Vorliebe oder Geschlecht jemand hat.

NÖN: Ihr seid auch beide schon mit Soloprogrammen auf der Bühne gewesen. Kommt da nie der Gedanke, dass man wieder alleine etwas machen will oder ist es jetzt zu zweit perfekt, so wie es ist?

Jaus: Es ist so, dass du am Anfang sehr viel Respekt davor hast, mit jemand anderem auf der Bühne zu stehen. Weil du, wenn dein eigenes Ego sehr ausgeprägt ist, wie bei uns, es teilweise hintanstellen musst. Das war die einzige Herausforderung. Das haben wir sehr gut können, weil wir sehr loyal sind. Und dann ist es einfach nur mehr positiv, dass du zu zweit bist, weil du dir Steine von den Schultern nimmst. Ich würde es alleine nicht dazahn.

Pizzera: Ich auch nicht. Wenn der eine jetzt einen Durchhänger hat vor dem Auftritt und der andere trägt ihn dann durch – egal ob emotional oder physisch. Wir teilen die Freude und das Leid und es ist einfach beruhigend. Es ist wie ein doppelter Boden, der einen begleitet und man nicht mehr allein ist.

Unterstützung von Familie und Freunden


NÖN: Wie schwer war es nach der Sommerpause für Familie, Frau und Freundin, dass wieder dieser Trubel startet?

Jaus: Wir haben jetzt im August schon sehr viel geprobt. Zum Tourfahren hat sich daher nicht so viel verändert. Deshalb ist der Alltag immer noch vorhanden.

Pizzera: Ich glaube, gerade Familie und enge Freunde verstehen das sowieso und, wenn dich dein Lebensgefährte, deine Lebensgefährtin vor die Wahl stellen würde ‚Beruf oder ich‘ dann passt es sowieso nicht. Da muss man einfach unterstützend sein.

Jaus: Wir haben das Glück, dass das der Fall ist, dass wir zuhause unterstützt werden und, dass Verständnis vorhanden ist.

NÖN: Ihr wohnt in Graz und im Weinviertel. Ist euch das wichtig, weil man sich besser als in Wien zurückziehen kann?

Jaus: Ich habe eine Wohnung in Wien, aber es zieht mich immer mehr aufs Land raus. Da bin ich daheim, da bin ich der Otto. Das ist den meisten einfach wurscht, ob ich in der Stadthalle spiele und so werde ich behandelt.

Pizzera: Bei mir ist es gleich. Beruflich bin ich eineinhalb Wochen vom Monat in Wien, aber ich mag meinen Lebensmittelpunkt nicht verlagern. Für mich hat es (Anm.: Graz) die perfekte Größe. Ich habe die Freunde dort, die Mama, meine Freundin. Es ist perfekt so wie es ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich aus der Steiermark jemals weggehe.

NÖN: Der Erfolg ist bei euch ziemlich rasant gekommen. Gibt es bei euch noch Momente, wo ihr ganz überrascht zurückblickt und gar nicht ganz fassen könnt, was da alles passiert ist?

Jaus: Natürlich haben wir die Momente. Ich fände es voll arg, wenn man diese Momente nicht hat oder es als alltäglich sieht, wenn man die Stadthalle ausverkauft. Aber nicht nur die Stadthalle, jede Aufführung hat etwas Spezielles. Da sind wir wie Kinder, die sich freuen und herumspringen. Dann, wenn ein paar Monate vergangen sind, sitzt man da und trinkt sein Bier gemeinsam und ist einfach nur fassungslos, weil man endlich ansatzweise versteht, was da passiert ist.