Eine kreative Pause für die Klassikszene. Statt Proben und Konzerten heißt es für Niederösterreichs Orchestermusiker erst mal warten. Kreativ sind sie trotzdem.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 01. April 2020 (05:55)
„Der Kontakt mit dem Publikum findet jetzt auf anderer Ebene statt“: Vahid Khadem-Missagh. Der Badener Geiger, Festivalleiterund Tonkünstler-Konzertmeister musiziert – und zaubert – derzeit im Wohnzimmer statt im Konzertsaal.
Theresa Pewal

„Hier ist ein bisschen Musik – und Humor, für zwischendurch!“ Sagt der junge Mann an der Geige. Spielt ein paar virtuose Takte. Und zaubert dann, flugs, ein Virus zwischen seinen Fingern her. Und auch wieder weg.

„Gerade in dieser Zeit braucht der Mensch Kultur.“ Ist Vahid Khadem-Missagh überzeugt. Auch wenn die Kultur, vor allem die im herkömmlichen Konzertbetrieb, erst mal zu hat. Niederösterreichs Tonkünstlerorchester etwa hat alle Abo-, Oster- und sonstigen Termine bis 14. April abgesagt. Vorläufig. Und hat statt dessen (ohne Presse und ohne Publikum) seine nächste Saison 2020/21 präsentiert.

Die soll am 4. Oktober mit Carl Orffs „Carmina Burana“ starten. Denn: „Wir gehen davon aus, dass wir im Oktober wieder normale Zustände haben“, meint man im Orchester. Am herbstlichen Konzertprogramm: Dvoráks „Aus der Neuen Welt“, Mahlers Erste, Strauss‘ „Alpensinfonie“, Schuberts Große C-Dur, Strawinskys „Sacre“ und mehr. Geplant sind auch Tourneen nach Großbritannien und Japan, zwei Tanztheater-Produktionen in St. Pölten und Festtagskonzerte zu Weihnachten, Silvester, Neujahr und am Karfreitag 2021.

Bis dahin, jedenfalls aber bis Ostern, wird weder geprobt noch konzertiert. „Im öffentlichen Sinn hat das Orchester also Pause“, meint einer seiner Konzertmeister, sei „quasi in Warteposition“. Aber: So ein gezwungener Rückzug sei gerade jetzt auch ein „Schmelztiegel für die Kreativität“ – für die sonst keine Zeit und kein Raum wäre.

Zeit für neue Ideen und neue Formate

„Ich kenne viele Kollegen“, erzählt Vahid Khadem-Missagh, „die jetzt viele neue Programmideen entwickeln“. Auch technisch entwickle sich gerade wahnsinnig viel. Wobei Videokonzerte, Streamings oder gar Home-Festivals (wie

das dreitägige Homestage-Festival am Wochenende) im Popbereich sicher einfacher seien. Ein klassisches Orchester dagegen lebe ja davon, „dass man gemeinsam atmet“.

Ganz wichtig sei jetzt aber auch, „dass wir den Mut und die Zuversicht haben, vorauszuplanen“. Die nächsten Orchestertermine auf der Konzertbühne zum Beispiel. Aber auch die nächsten Solo-Clips im Netz. „Ich werde“, verspricht Vahid Khadem-Missagh, „jetzt noch mehr Videos von zu Hause machen.“