Dauerbrenner Austropop. Filmemacher Rudi Dolezal (am Foto li.) porträtiert für eine Serie heimische Musiker wie Rainhard Fendrich (r.). Dessen Musikstil zieht immer noch Publikum an – live und im TV.

Von Gerti Süss. Erstellt am 01. September 2014 (06:07)
NOEN, Doro
Filmemacher Rudi Dolezal (li.) mit Rainhard Fendrich (r.).

Erst Samstag begeisterten Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros Tausende Zuseher bei einem  gemeinsamen Live-Konzert in Purkersdorf  – und das, obwohl einige ihrer Hits schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben.

Es kommt kaum etwas Neues nach

„Manche der Zeitgeist-Gazetten haben Ambros schon in den Neunzigerjahren in Pension geschickt. Die Zeitschriften gibt es längst nicht mehr, den Ambros aber noch immer“, sagt Rudi Dolezal, Filmproduzent aus Purkersdorf, der in den vergangenen Jahrzehnten Musikvideos und Dokumentationen für unzählige Musikstars gedreht hat.

Obwohl der Austropop der Achtzigerjahre immer noch zieht, kommt kaum etwas Neues nach. Die österreichische Musik ist vielschichtiger geworden. Sie reicht von Hiphop bis Rock und zielt nur sehr selten auf eine wirklich breite Masse ab.

Ähnlich sieht es auch Dolezal: „Wenn man Austropop – so wie Falco – als Popmusik aus Österreich versteht, gibt es zehn, vielleicht sogar zwanzig Szenen. Das Internet bietet zwar viele neue Möglichkeiten, andererseits fehlen die großen, klassischen Medienplattformen für Musiker.“ Ö3 habe heimische Künstler „zum Teil stiefmütterlich vernachlässigt“.

Dank an ServusTV: „Starkes Bekenntnis zur Qualität“

Umso dankbarer ist der Filmemacher hingegen dem Sender ServusTV, wo ab Donnerstag zehn neue Folgen seiner Serie „Austro Pop Legenden“ gezeigt werden: „Als freier Produzent bin ich froh, dass ServusTV so viel Interesse zeigt. In 30 Jahren Zusammenarbeit mit dem ORF wäre es nie passiert, dass dort Musiksendungen im Hauptabendprogramm laufen. Und nach den Sendungen folgen Konzertübertragungen – das macht in zehn Wochen 30 Stunden TV-Material über den Austropop“, so Dolezal.

Er sieht darin „ein starkes Bekenntnis zur Qualität“, das auch das Publikum würdigt: Bei der ersten Staffel hatte die Doku zu „Austria 3“ über 300.000 Zuseher. In der Geschichte des Senders war das die höchste Quote nach dem Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner.

„Den Wilfried hat der ESC fünf Jahre seiner Karriere gekostet“

Dass der Songcontest, der nächstes Jahr in Österreich veranstaltet wird, heimischen Musikern wieder Flügel verleiht, glaubt der Produzent eher nicht: „Aus dem Eurovision Songcontest (Anm.: abgekürzt ESC) sind schon lange keine Weltstars mehr hervorgegangen. Vielmehr ist das Event eine Chance, insbesondere dank Conchita Wurst, ein Zeichen der Toleranz zu setzen.“

Für etablierte Künstler liefere der Songcontest sogar die Gefahr eines Karriere-Knicks. „Den Wilfried hat das damals fünf Jahre seiner Karriere gekostet“, so Dolezal.

Wilfried Scheutz’ Sohn Hanibal wurde trotzdem Musiker, seine Band „5/8erl in Ehr’n“ wird zunehmend bekannter. Als Austropop würde Hanibal Scheutz seine Musik aber eher nicht bezeichnen: „Der Begriff Austro ist irgendwie veraltet …“


Ab Donnerstag um 20.15 Uhr zeigt ServusTV wöchentlich die Serie „Austro Pop Legenden“ von Rudi Dolezal. Die erste der insgesamt zehn Sendungen widmet sich der EAV, danach folgen Wolfgang Ambros, Opus, Wilfried, Rainhard Fendrich, Georg Danzer und viele mehr. Im Anschluss folgt je ein Konzert-Mitschnitt der Künstler.