Der Kampf um das Wahlrecht. Zehnjährige in den Fabriken. Die Technisierung der Arbeitswelt erreicht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt. In der Monarchie ist man auf den Strukturwandel nicht vorbereitet.

Erstellt am 21. November 2013 (14:00)

Zehnjährige in den Fabriken. Die Technisierung der Arbeitswelt erreicht in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt. In der Monarchie ist man auf den Strukturwandel nicht vorbereitet. Die alten Zunftordnungen der Handwerker, wo Gesellen meist in den Häusern der Meister wohnten, sind dafür ungeeignet. Das Fazit ist, dass viele Arbeiter, auch Kinder, von den Fabriksherren oft ausgebeutet werden. 1885 setzen christliche Adelige entgegen den Liberalen im Reichstag ein Gesetz über den 11-Stunden-Tag durch, den 10-Stunden-Tag für 14- bis 16-Jährige. Die Kinderarbeit wird auf zwölf- bis 14-Jährige eingeschränkt und die Nachtarbeit für Frauen verboten. 1988 werden auch Gewerbeinspektorate und eine erste Arbeiterkrankenversicherung geschaffen.

„Ahnen“ von ÖVP und SPÖ. Im Parlament der Monarchie, dem Reichstag, werden die Abgeordneten von Kurien entsandt. Von Großgrundbesitzern, Handelskammern, Städten, Märkten und Landgemeinden. 1896 genehmigt Kaiser Franz Joseph eine Wahlrechtsreform, bei der das „allgemeine Volk“( ab 24 Jahre) eine Kurie erhält. Ihr werden 72 Mandate zugeteilt, während die Großgrundbesitzer über 85 Mandate verfügen. Bereits vorher entstehen 1882 die Deutschnationale Partei, 1887 jene der (bürgerlichen) Christlichsozialen sowie die Christlich Konservativen und 1888 wird die Sozialdemokratische Partei gegründet. Sie wird primär „Sprachrohr“ für die Arbeiter.

Meilenstein der Demokratie. Am 8. Juni 1907 wird das erste „Volksparlament“ – vom Reichstag genehmigt und vom Kaiser sanktioniert – in der Monarchie gewählt. Zur Abstimmung dürfen alle männlichen Staatsbürger gehen, die 24 Jahre alt sind. Stärkste Partei werden die Sozialdemokraten mit 87 Abgeordneten. Darauf schließen sich die 66 christlichsozialen Abgeordneten mit den 30 Konservativen zusammen und verfügen über 96 Sitze im Reichsrat. Nach Nationalitäten setzt sich das Parlament wie folgt zusammen: 233 Deutsche, 107 Tschechen, 82 Polen, 33 Ruthenen, 24 Slowenen, 19 Italiener, 15 Kroaten und 5 Rumänen. Das Volksparlament ist ein Spiegel des Vielvölkerstaates der Habsburgermonarchie, auch ohne die ungarische Reichshälfte, die ihr Parlament in Budapest hat.

Hans Ströbitzer

Jahre der Zeitenwende, Folge 3 von 7. Nächste Woche: Gründerzeit und Alltagsleben.