Fragen, nicht wissen. Diesmal geht es im Pielachtal um "Bewusstsein und Bildung", mit vielen hochkarätigen Weisen und Wissenschaftern. André Heller nährt dabei die Phantasie.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 06. Juli 2015 (01:11)
NOEN, Evelin Frerk
Reinthaller, ein begnadeter Vortragender, bietet eine breite Palette von Hölderlin über Gadamer bis Nietzsche bis zum »Spiegel«. Musikalisch begleitet ihn die Marimba-Virtuosin Yi Liu.
O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt.“ Hölderin, „Hyperion“

Der Befund sei zweifellos eindeutig, meint Ulrich Reinthaller, der gemeinsam mit Barbara Pachl-Eberhart das „dialogikum phönixberg“ in Kirchberg an der Pielach ins Leben gerufen hat. „Unsere Gespräche sind von vornherein verzweckt und verzielt. Viele hauen sich nur ihr Wissen um die Ohren.“ Dabei sei das gar nicht groß, zitiert er den Quantenphysiker Anton Zeilinger, „denn das meiste wissen wir nicht“.

Beim dialogikum geht es vor allem darum, wie schon der Name sagt, miteinander ins Gespräch zu kommen, das Denken und das Reden „zu verlangsamen und zu entschleunigen. Das ist wie ein Tonband, das langsamer abgespielt wird, und man Dinge vernimmt, die sonst nicht zu hören sind.“ Man wolle weg vom Behaupten und hin zum Frage kommen, ergänzt Ulrich Reinthaller, von Berufs wegen Schauspieler, „wir stellen getrenntes Wissen nebeneinander, aber machen keine Synthese. Und ganz sicher wollen wir nicht, dass einer glaubt, er muss sein Weltbild verteidigen. Der gewinnt dann vielleicht sogar den Kampf. Aber Recht hat er deswegen noch lange nicht“.

Ohne das System von Rede und Gegenrede

Das Motto des diesjährigen dialogikums im Pielachtal lautet „Bewusstsein und Bildung. Der lernende Mensch in seinem Umfeld“ und dauert von 8. bis 12. Juli. Gefragt und gesprochen wird nach eigenem System. Am Abend gibt es einen Vortrag oder einen Bühnendialog, am nächsten Tag, im kleinen Rahmen, darüber einen Dialogkreis. „Der wird begleitet, nicht geführt. Jeder kann aussprechen, was er will, aber ohne System Rede-Gegenrede. Es geht nicht darum, andere zu überzeugen, wir müssen zusammenwachsen, weil es getrennt nicht geht.“

Zu den wichtigsten Referenten zählen der Lebens- und So zialberater Benno Kapelari und der Mediziner und Theologe Matthias Beck (beide am 8. Juli), Jan Teunen, gesuchter Berater in Sachen Unternehmenskultur (9. Juli), André Heller (10. Juli, Thema: „Träum weiter! Vom Lehr- und Nährwert menschlicher Phantasie“), Margret Rasfeld (Evangelische Schu - le Berlin Zentrum) und Karl-Heinz Brod  beck       
(Frankfurter Fairness-Stiftung, beide am 11. Juli).

Den Schlusspunkt am 12. Juli setzt Ulrich Rein thaller selbst, mit einem literarischen Abend zum Thema „Bildung ohne Bewusstsein ist wie Denken ohne Kopf.“ Er will das Thema Bildung sehr bewusst mit den Fragen von Kunst und Ästhetik verbinden. „Ich vergleiche das mit manchen Schulen, wo die Kinder anständige Menschen werden sollen und von schlampig gemachten, quasi unanständigen Dingen umgeben sind.“