Die Geiselnahme von Marchegg. Vor 40 Jahren. Am Beginn der Siebzigerjahre kommt es wegen der Siedlungs-und Einwanderungspolitik Israels zu gewaltigen Spannungen mit den Palästinensern, die sich in dramatischer Weise auch auf Österreich auswirken sollten.

Erstellt am 01. September 2013 (17:18)
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Schloss Schönau, heute ein Restaurant, war von 1969 bis 1973 ein Durchgangslager für sowjetische Juden.wikipedia

Vor 40 Jahren. Am Beginn der Siebzigerjahre kommt es wegen der Siedlungs-und Einwanderungspolitik Israels zu gewaltigen Spannungen mit den Palästinensern, die sich in dramatischer Weise auch auf Österreich auswirken sollten.
Ab 1969 erlaubte die Sowjetunion den russischen Juden die Auswanderung nach Israel. Als Transitland bot sich das neutrale Österreich an. Die sowjetischen Juden kamen mit der Eisenbahn nach Preßburg bei Marchegg über die Grenze und wurden dann nach Schloss Schönau an der Triesting weitertransportiert. Dort hatte man ein Durchgangslager eingerichtet, das von einer jüdischen Organisation, der Jewish Agency, gemietet worden war, die auch die Weiterleitung nach Israel organisierte.

Terrorwarnungen. Auf diesem Weg kommen 1971, 1972 und 1973 mehr als 70.000 sowjetische Juden nach Israel. Sehr zum Unmut der Palästinenser, die dagegen auch bei der österreichischen Regierung heftig protestierten. 1972 werden sechs palästinensische Guerillas verhaftet, drei in Österreich und drei in Italien, die zugeben, Sprengstoffanschläge auf Schloss Schönau geplant zu haben. Nach einer Aussprache zwischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, SPÖ, Innenminister Otto Rösch, SPÖ, und Landeshauptmann Andreas Maurer, ÖVP, erteilte dieser dem NÖ Sicherheitsdirektor den Auftrag, zusätzlich 100 Gendarmen für die Bewachung von Schönau und der Bahnstrecke für den Transport der Juden zur Verfügung zu stellen. Trotzdem kommt es am 28. September 1973 zu einem folgenschweren Terroranschlag palästinensischer Guerillas im Bahnhof Marchegg.

Die Erpressung. An diesem Tag kommt nämlich ein Zug mit sowjetischen Auswanderern bei Marchegg über die Grenze. In diesem befinden sich bereits zwei schwer bewaffnete Palästinenser. Als der Zollbeamte Franz Bobits mit der Passabfertigung beginnt, halten ihm die beiden die Maschinenpistole unter die Nase. Bobits wird festgenommen, mit ihm werden drei jüdische Auswanderer als Geiseln genommen. Am Bahnhof verlangen die Palästinenser einen Fluchtwagen, mit dem sie zum Flughafen Schwechat gebracht werden wollen, außerdem ein bereitstehendes Fluchtflugzeug, ansonsten würden sie sich mit den Geiseln in die Luft sprengen. Außerdem fordern sie in einer Flugschrift die sofortige Unterbindung der Auswanderung sowjetischer Juden durch Österreich. Hans Ströbitzer

Nächste Woche: Kreiskys Rückzieher.