Erstellt am 25. November 2014, 05:37

von Verena Randolf

Karin Kneissl: "Vorbilder sind dieser Tage selten!". "Das ist der Nachteil, wenn man nicht Prinz Eugen ist!", lacht ORF-Nahost-Expertin Karin Kneissl.

Seit 16 Jahren lebt Nahost-Expertin Karin Kneissl mit einer Menge Tiere in einem kleinen Häuschen in Seibersdorf. Am 1. Dezember erscheint ihr erstes Kinderbuch.  |  NOEN, Thomas Raggam

Sie kommt gerade vom Stallausmisten. "Prinz Eugen hatte einen ganzen Hofstaat, der ihm bei seinen vielen Tieren half. Das gibt es bei mir nicht! Dafür muss ich mich aber nicht mit einem Kaiser herumschlagen. Vor allem Karl VI. ging dem Prinzen nämlich ziemlich auf die Nerven!“

Seit Kurzem ist Kneissl Expertin, was den aus Frankreich stammenden Feldherren betrifft. Sie hat ein Kinder-Sachbuch über ihn geschrieben. Neben den vielen Publikationen über Nah-Ost-Konflikt, Fundamentalismus und Gewalt, ist es das erste Werk der 49-jährigen Ex-Diplomatin eigens für Kinder. „Das war durchaus eine Herausforderung!“ erzählt sie, „vor allem die fiktiven Dialoge! Ich habe bisher ja nur Sachbücher geschrieben!“

Prinz Eugen wäre auch heute ein „Role Model“ 

Mehrere Monate verbrachte die freischaffende Journalistin in Bibliotheken, um für „Prinz Eugen – Vom Außenseiter zum Genie Europas“ zu recherchieren. „Was mir an ihm besonders imponiert, ist, dass er auch heute noch als Role Model taugt. Menschen, an denen man sich orientieren kann, sind dieser Tage selten, und Prinz Eugen war so jemand. Er hatte es nicht immer leicht, aber er vermittelt: Auch wenn das Leben nicht besonders nett zu dir ist, kannst du dich durchboxen und erfolgreich sein!“

Teures und "wahnsinniges" Pflaster Wien

Ein Lied, in das auch Kneissl fröhlich mit einstimmen kann: Mit Mitte 30 quittierte sie den Diplomatischen Dienst, der ein sicheres Auskommen bedeutet hätte, und entschied sich für ein Leben als freiberufliche Publizistin. Mit den entsprechenden Entbehrungen. „Als ich damals von Madrid nach Wien zurückkam, war ich auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung, in der ich es zum Wohnen und zum Arbeiten aushalten würde. Von der Idee kam ich relativ rasch ab. Was mir gefallen hätte, wäre unleistbar gewesen, und so begann ich, mich in Niederösterreich umzusehen.“

Durch puren Zufall landete die Autorin in Seibersdorf. Auch hier wieder eine Parallele zu Prinz Eugen: Der fühlte sich in Niederösterreich auch wohl. „Ich kann wirklich verstehen, warum er sich neben seinen Wohnsitzen in der Bundeshauptstadt Schloss Hof angeschafft hat!“, lacht sie. „Nicht mal für viel Geld würde ich in den Wahnsinn nach Wien zurückkehren!“