Martin Thür: Ein Mann spricht "Klartext". Martin Thür, 32, ist seit kurzem das innenpolitische Aushängeschild von ATV.

Von Verena Randolf. Erstellt am 27. Oktober 2014 (11:11)
ATV
Martin Thür moderiert wöchentlich seine Polit-Talk-Show »Klartext« auf ATV, für die er auch das Kon- zept entwickelt hat: Sieben Folgen sind derzeit geplant. Thema nächste Woche: Bildung. Foto: ATV

Erste Erfahrung mit Politik: „Mit 18 habe ich einen Leserbrief geschrieben, einen bösen, an eine Schülerzeitung mit einer Auflage von wenigen Hundert Stück. Die St. Pöltner Stadtregierung hat sich damals gegen das ,Cinema Paradiso‘ starkgemacht, was mich geärgert hat.“

Der damalige Kulturstadtrat hat den Schüler, wie dieser erzählt, daraufhin zu einem Treffen zitiert und: „Mich eine Stunde lang angeschrien und gefragt, wie ich mich erdreisten kann, ihn zu kritisieren!“

Quote machen mit der Politik ist vorbei

Martin Thür, 32, eröffnet montags um 22.25 Uhr mit „Klartext“ die politische Woche des Privatsenders ATV. Drei Politiker äußern sich getrennt voneinander in aufgezeichneten Gesprächen zu aktuellen Themen.

Die Hitzigkeit von Live-Debatten, die gut für die Quote und schlecht fürs Verständnis ist, fällt weg: „Wir versuchen durch dieses Konzept, inhaltlich mehr aus den Politikern rauszubekommen. Und die Sendung ist ja nicht primär dazu da, Quote zu machen, sondern politische Debatten verständlich aufzubereiten!“, erklärt der St. Pöltner, und dann widerspricht er Bismarck: „Der hat mal gesagt: ,Je weniger die Leute davon wissen, wie Wurst und Politik gemacht werden, umso besser schlafen sie‘, aber auch wenn es manchmal erschreckend ist, genau hinzuschauen, notwendig ist es trotzdem. In der Politik werden tagtäglich verdammt wichtige Dinge entschieden. Sich abzuwenden und zu sagen ,Lasst’s mich mit dem in Ruhe!‘, ist halt schwierig, weil die Politik unser Leben ändert. Da muss man einfach aufpassen, was die Politiker tun, warum sie es tun und wie sie es tun.“

"Politik ist ein brutales Geschäft"

Darin sieht er auch seine Aufgabe: An den Gummiwänden, die viele Politiker um sich aufbauen, vorbeikommen, um inhaltlich wertvolle Antworten zu kriegen: „Das Tempo, die Direktheit und die Brutalität des Polit-Betriebes sind härter, als in jedem anderen Metier. Die Politik ist ein brutales Geschäft, deswegen verstecken sich viele – um keine Fehler zu machen – oft hinter Phrasen.“ Es besteht aber Hoffnung: „Viele österreichische Politiker sind gar nicht so schlecht darin, Diskussionen zu führen, ohne sich inhaltlich gleich in die Luft zu sprengen!“ Zu sehen immer montags auf ATV.