Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Der Blick zurück

Erstellt am 31. März 2014 (11:02)
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Das Attentat von Sarajewo am 28. Juni 1914, Anfang vom Ende der jahrhundertealten Ordnung. Foto: Archiv
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Anfang und Ende. Der „Große Krieg“ dauerte von 1914 bis 1918, kostete siebzehn Millionen Menschen das Leben und riss schließlich fast die ganze Welt mit. Aus Sicht der Historiker begann für Europa mit dieser „Urkatastrophe“ das kürzeste Jahrhundert seiner Geschichte. Am Anfang stand der Untergang einer jahrhundertealten Ordnung, am Ende der Fall des Eisernen Vorhangs, der 1989 die Teilung des Kontinents beendete.

Das Ende der europäischen Vormachtstellung in der Welt war eine der wichtigsten Konsequenzen dieser Jahrzehnte. Der Name Erster Weltkrieg setzt natürlich einen zweiten voraus – die Begriffe entstanden erst in den frühen Vierzigerjahren.

Das Attentat. Anlass des Krieges war die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand, der von einem serbischen Anarchisten am 28. Juni 1914 in Sarajewo erschossen wurde. Exakt einen Monat später erklärte Österreich-Ungarn an Serbien den Krieg. Mit verheerenden Folgen.

Denn die durch komplizierte Bündnisverträge aneinander gebundenen Staaten der Mittelmächte und der Entente ließen sich um Zug in den Krieg verwickeln. Während das Attentat nur der Anlass des Krieges war, reichten die Ursachen viel tiefer. Trotz einer Ära global vernetzter Wirtschaft, bedeutender wissenschaftlicher Errungenschaften und großer künstlerischer Leistungen hatte sich in den Menschen der Glaube an Sinn und Notwendigkeit eines „reinigenden Kriegsgewitters“ unausrottbar festgesetzt.

Niederlage. Beendet wurde der Krieg am 11. November 1918 mit dem Waffenstillstand von Compiègne, der den Sieg der Entente mit Frankreich, Großbritannien, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und den USA besiegelte. Zu den geschlagenen Mittelmächten zählen Österreich-Ungarn, Deutschland, das Osmanische Reich und Bulgarien. Siebzig Millionen Männer waren unter Waffen gestanden, vierzig Staaten am Krieg beteiligt gewesen.

Die Folgen. Unter der Niederlage hatte die Donaumonarchie besonders zu leiden. Sie wurde zerschlagen, Österreich und noch mehr Ungarn verloren bedeutende Teile ihres Staatsgebietes. Der Krieg brachte keine Versöhnung, keinen Ausgleich. Nicht ohne Grund gilt, dass der Erste Weltkrieg erst 1945 zu Ende gegangen ist.  Thomas Jorda
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