Sakrale Kunst: Wenn Madonnen leuchten. 190 große und kleine Meisterwerke des Kremser Barockmalers Martin Johann Schmidt zeigt das St. Pöltner Diözesanmuseum in einer prächtigen Geburtstagsschau.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Mai 2018 (00:43)
Pfarre Waidhofen an der Ybbs
1,30 Meter groß, schwarz-golden gerahmt und vom Heiligen Geist beseelt: Die „Immaculata“, die „Unbefleckte“ mit den ergebenen Augen und den betenden Händen hat der Kremser Schmidt 1762 gemalt – als eines der Altarbilder für die Pfarre Waidhofen an der Ybbs. Zu sehen ist sie seit Freitag im St. Pöltner Diözesanmuseum. 

„Heute starb zu Stein der berühmte und künstliche Maller Herr Martin Schmidt.“ 1801 war das, am 28. Juni. Im Malzimmer des „berühmten Mallers“, im ersten Stock am oberen Tor des mittelalterlichen Städtchens Stein, stand da noch ein „Farbtrücherl“. Und auf seiner Werkliste standen da über 1.000 Ölbilder, Kreidezeichnungen, Radierungen und Federskizzen.

190 von ihnen sind jetzt im St. Pöltner Diözesanmuseum zu sehen. Zum 300. Geburtstag des 1718 in Grafenwörth geborenen Bildhauer-Sohnes hat man hier eine ebenso farbenprächtige wie facettenreiche Schau zusammengetragen – mit gerade einmal sieben Werken aus den eigenen Beständen („der Florian, der ist von uns, und die Maria Magdalena“, so Museumsdirektor Wolfgang Huber).

Alle anderen stammen aus den Stiften Göttweig („da haben wir 26“), Lilienfeld („da haben wir neun“), Melk, Geras oder Kremsmünster, aus der Wiener Albertina („da haben wir einen sehr spannenden Kreuzweg“) und den NÖ Landessammlungen („da haben wir sehr viele Zeichnungen“), aber auch aus vielen (kleinen) Pfarren, aus Kilb, aus Maria Taferl, aus Waidhofen und natürlich aus Krems.

"Das Mystische gibt’s ab Oktober im Belvedere"

Gestürzte Engel und geopferte Lämmer sind da zu sehen, betende Madonnen und sterbende Christusse, schlafende Äbte und reuige Sünder, Heilige („der Nepomuk war ein Thema“) und Märtyrer. Und das von 20 Zentimeter bis 2,20 Meter, in Öl auf Leinwand oder auch auf Zinkblech, in weißer Kreide auf blauem Papier, manche signiert, mit M. J. S. und noch einem „fecit“ hinten nach, manche nicht.

Alle aber leuchtend, als würde sie ein geheimer Scheinwerfer anstrahlen, mit prächtigen Farben und komponierten Szenen, mit viel Licht, viel Schatten und fast nur Sakralem („das Mystische gibt’s ab Oktober im Belvedere“).

Zwischen all die strahlenden Bilder hat man in St. Pölten noch ein paar Quittungen gelegt, das Tauf- und das Sterbematrikel, Selbstporträts und Bibelvorlagen. Und darüber einen ungewöhnlichen Titel gespannt, der an einen viel späteren niederösterreichischen Star erinnert: „Out of the dark“.

Zu sehen bis 31. Oktober, www.dz-museum.at