Ein Bastler und ein Meistermaler. Sieben Wochen lang haben Karl Vondal und Johann Garber vor Publikum gearbeitet. Ergebnis: eine Doppelschau.

Erstellt am 29. August 2017 (02:05)
Ludwig Schedl
Er sei ein „Bastler und Meistermaler“, schreibt Johann Garber (links) über sich. Im Bild mit Karl Vondal. Und im Museum Gugging mit ganz alten und ganz jungen Werken von 7. September bis 7. Jänner.

Der eine mag Paare. Der andere mag Tiere. Der eine mag Gitarren. Der andere mag Geweihe. Der eine mag Birnen. Der andere mag Sonnen. Künstler sind sie beide. Bastler auch. Gugginger sowieso. Seit 2002 der eine. Seit 1981 der andere.

Und beiden hat das Gugginger Museum im diesjährigen Herbstprogramm nicht nur ihre erste große Personale gewidmet. Sondern knapp zwei Monate davor auch noch eine Werkstatt eingerichtet. Nicht im Haus der Künstler, wo sie sonst leben (und arbeiten). Nicht im Atelier, wo nur der hinein darf, der auch künstlerisch arbeitet. Sondern mitten im Museum.

„Da“, sagt Museumsleiter, Künstler und Psychiater Johann Feilacher, „da ist der Arbeitsplatz von Johann Garber.“ Zwei schlichte Werktische stehen da, eine Lampe, ein Radio. Daneben eine Vitrine mit ganz vielen, ganz bunten Krickerln. Und davor ein paar kartonbraune Hocker, zum Hinsetzen und Zuschauen.

Wie das halt so sei, mit zwei Künstlern

Ein Raum weiter wieder zwei weiße Werktische. Eine Lampe. Eine riesiger Kasten mit Buntstiften. Und noch mehr Hocker, zum Hinsetzen und Zuschauen. „Da ist der Vondal. Der ist immer da. Der Garber ziert sich ein bissl“, erzählt Johann Feilacher. Wie das halt so sei mit zwei Künstlern.

Dabei sind beide, Johann Garber und Karl Vondal, längst bei Sammlern und Museen gleichermaßen begehrt. Und geben auch genug her für zwei Einzelausstellungen. Die hat Johann Feilacher rund um die beiden Werkstätten gehängt.

Ganz frühe, ganz kleine Blätter des gebürtigen Wiener Neustädters Johann Garber sind da zu sehen, Osterhasen, Laubfrösche und Ameisen aus 1979. Daneben zwei größere, knallbunte Porträts von „Herrn Leo Dr. der Zeichenprofessor“, also: Leo Navratil, der das Gugginger Haus der Künstler 1981 gegründet hatte und in dem Johann Garber von Beginn an gewohnt hatte.

Lächelnde Krokodile und dralle Damen

Ums Eck ein Elefant mit Reißzähnen, ums nächste Eck Krokodile, Giraffen, Libellen und andere Fische, in fast eine halbe Wand großen, akribisch gemalten und üppig ausgestatteten Tuschebildern, eines davon mit dem Titel „Abenteuer-Bild“, ein anderes „In Stadt und Land“. Dazwischen: Krickerl, eines bunter als das andere.

Krickerl gibt’s bei Karl Vondal im übernächsten Museumsraum keine. Dafür dralle Damen. Nackte Brüste. Zarte Blümchen. Und dicke Birnen. „Eigentlich sind die alle nicht jugendfrei“, schmunzelt Johann Feilacher. Denn Karl Vondal zeichnet seine Damen auch gerne mit Herren – in recht eindeutigen Posen. Oder: mit Gitarren. Eine davon gibt’s auch hinter Glas, mit einem Körper aus Pappmaché & Saiten aus Wollfäden.

„Der Vondal schneidet und klebt und schreibt, und wenn ihm was nicht gefällt, schneidet er es aus und klebt es neu“, erklärt Feilacher. Eines der großformatigen Ergebnisse: ein Fußballfeld, (natürlich) mit einer reinen Damenmannschaft, in Schuhen und Dressen, und rundherum mit Herren, zum Aufwärmen.

80 Werke sind es insgesamt, die in der Schau von Johann Garber zu sehen sind, 38 von Karl Vondal. Und zwölf von beiden, die ganz frisch sind, entstanden in der sommerlichen Werkstatt. Die anderen kommen aus NÖs Landessammlungen, von privaten Sammlern und aus der Privatstiftung der Künstler aus Gugging. Die meisten waren bisher noch nie zu sehen.

Und Johann Garber? Der steht inzwischen draußen im Gang. Und malt. Mit dickem Pinsel und weißer Farbe. „Die Maria und der Feilacher“ sind das, sagt er, sie mit Blume, er mit Stock. Vor einem hügeligen „Horizont“ und unter einer lachenden Sonne. Die Wand gegenüber ist noch leer. Da kommt sein Selbstporträt hin. Zur Vernissage am 6. September soll es fertig sein …

www.gugging.at