„Eine Schnapsidee!“. Wohliges Glühen / Kirsche, Zwetschke, Birne: Christian Haydn hat in 42 Tagen 697 Schnäpse bei 76 österreichischen Schnapsbrennern verkostet – und dabei viele neue Freunde gefunden.

Erstellt am 16. September 2012 (17:50)
Von Tina Wessig

„Lieber eine Schnapsidee als ein Hirngespinst.“ Christian Haydn muss über seinen Wortwitz selber lachen. Aber die Reise, zu der er aufgebrochen ist, war ja auch eine Schnapsidee im buchstäblichen Sinne: Immerhin verkostete der passionierte Genießer aus Kilb binnen 42 Tagen insgesamt 697 Schnäpse von 76 verschiedenen Edelbrennern in ganz Österreich.

Ein promilleträchtiges Unterfangen, zu dem Haydn da aufgebrochen ist. Wie kommt man eigentlich auf eine solche Idee? „Vor 15 Jahren bin ich mit dem Schnapsbrennen in Berührung gekommen, hab’ damals selbst zu brennen versucht und dabei viele Brenner kennen gelernt. Das Produkt interessiert mich einfach“, schwärmt Haydn, der im Brotberuf ganz nüchtern in der Sparte Versicherung der Wirtschaftskammer tätig ist, über seine hochprozentige Leidenschaft.

„Bin keinen Meter mit dem Auto gefahren“ 

 

Nur, relativiert er, die Reise zu den Schnapsbrennern habe ja nicht am Stück stattgefunden, sondern in Etappen: „Begonnen habe ich im April am ,Tag des Mostes’ und beendet war die Forschungsreise vergangene Woche.“ Jetzt ist Haydns Urlaub komplett aufgebraucht – und weil es in Österreich an die 80.000 Brenner gibt, erwägt er bereits eine zweite Reise.

Der aktuelle Trip durch alle österreichischen Bundesländer – der auch in Buchform festgehalten werden soll – fand übrigens ausschließlich mit dem Rad, der Bahn oder zu Fuß statt: Dabei marschierte er 180 Kilometer, 480 Kilometer radelte er und den Rest legte er mit dem Zug zurück. „Ich bin keinen Meter selber gefahren“, lacht Haydn, nur manchmal, wenn das Wetter zu schlecht gewesen sei, habe ihn der eine oder andere Brenner mit dem Auto abgeholt.

Und dann, beim Kosten, wie bereitet man sich da vor? Speckjaus’n und Co. als Unterlage? „Es geht gar nicht darum, was man isst, sondern nur darum, dass man überhaupt etwas im Magen hat“, weiß Haydn aus der Praxis. Das Schöne sei ja der Umstand gewesen, dass er als Tester gekommen und meist als Freund wieder gegangen sei: „Fast jeder hat mir das Du-Wort angeboten.“

Seine Art des Verkostens hat übrigens viel mit Respekt zu tun: „Ich habe keinen Tropfen ausgespuckt, wie das die Wein-Verkoster tun, ich finde, das gehört sich nicht, ich hab’ den Schnaps immer geschluckt.“ Schließlich sei ja das besondere Glühen in Speiseröhre und Magen auch ein Teil des Genusses.

Im Nachhinein bleiben für Haydn „unheimlich viele bereichernde Begegnungen“ in Erinnerung. Die Gemütlichkeit, die Geselligkeit und die Gastlichkeit bei den Schnapsbrennern. Bei manchen, wie bei Hans Krenn aus Yspertal, hat Haydn sogar übernachtet. „Das war einer der schönsten Besuche in Niederösterreich.“ Und nein, sagt er, die Sache mit der Trunkenheit sei an 40 Tagen echt kein Thema gewesen: „Man kostet ja nur ganz kleine Schluckerl.“ Über die letzten beiden Tage schweigt die Chronik.