Europa wieder eine Frau im Museum Retz. Im Museum Retz konnte ein Farbholzschnitt neu bewertet werden. Angeblich ist er die älteste bekannte Darstellung des Kontinentes in Gestalt einer Königin, der Europa regina.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. April 2019 (02:05)
Museum Retz
Spannender Fund im Museum Retz. Die Archäologin und Kulturwissenschaftlerin Celine Wawruschka von derDonau-Universität Krems konnte einen frühneuzeitlichen Holzschnitt neu bewerten. Das Ergebnis der Analyse: Es handelt sich angeblich um die älteste bekannte Darstellung des europäischen Kontinents in Form einer jungen,hübschen Frau. Noch im Mittelalter wurde Europa als Mann dargestellt.

Die Angst vor der Islamisierung Europas ist nicht neu. Schon vor fast über fünfhundert Jahren hatte der Tiroler Humanist Johannes Putsch (1516-1542) den Habsburgerkaisern Karl V. und Ferdinand I. deutlich ins Stammbuch geschrieben, sie mögen gefälligst etwas gegen die Türken (was sie nicht waren, sondern Osmanen, aber das nur nebenbei) unternehmen, um Europa zu schützen.

Jenes Europa, das dem Meister Putsch so besonders am Herzen gelegen ist. 1534 schuf er – gemäß des Topos der jungen, hübschen Europa regina – eine Karte in Gestalt eine Königin, die in Augsburg von Jobst Dennecker, Schöpfer des deutschen Farbholzschnittes, gedruckt wurde.

2020 soll Karte auf Tournee durch Europa gehen

Spanien stellt den Kopf der Königin dar, Italien den Arm, Sizilien den Reichsapfel, Österreich und Böhmen liegen in der Körpermitte. Die feministische Pointe: In der Antike wurde Europa selbstverständlich als Frau dargestellt (wegen ihrer Affäre mit dem Stier). Im Mittelalter galt Europa als männlich. Johannes Putsch machte den Kontinent wieder weiblich und gab ihr auch Worte, eben jenes beschriebene Warngedicht, das er unter die Karte setzte.

Museum Retz
Spannender Fund im Museum Retz. Die Archäologin und Kulturwissenschaftlerin Celine Wawruschka von derDonau-Universität Krems konnte einen frühneuzeitlichen Holzschnitt neu bewerten. Das Ergebnis der Analyse: Es handelt sich angeblich um die älteste bekannte Darstellung des europäischen Kontinents in Form einer jungen,hübschen Frau. Noch im Mittelalter wurde Europa als Mann dargestellt.

Diese, angeblich die älteste bekannte Karte in jener Form, war um 1838 vom Bibliothekar und Archivar des Retzer Dominikanerklosters, Pater Ignaz Lamatsch, dem eben erst gegründeten Stadtmuseum Retz geschenkt worden.

Nach der Wiederentdeckung des Schatzes wird noch eifrig daran wissenschaftlich herumgefingert, 2020 soll die Karte dann auf Tournee durch Europa gehen. Im Museum Retz wird sie ab dem Wochenende des Museumsfrühlings am 18./19. Mai bis zum Saisonende am 26. Oktober ausgestellt.

www.museumretz.at