Erste Bausteine für das NÖ Theaterfest. DER BLICK ZURÜCK

Erstellt am 11. Juli 2013 (11:00)
NOEN, Helmut Lackinger
Die einzigartige Kulisse des Stiftes Melk verleiht den Sommerspielen Melk einen besonderen Rahmen. Foto: Helmut Lackinger
Vor 40 Jahren. 1973 herrscht in NÖ Hochkonjunktur. Vor allem die Bauwirtschaft klagt über den Mangel an Lehrlingen & Facharbeitern. Es heißt damals, dass sich drei Meister um einen Lehrling bzw. einen Maurer anstellen. Auf Bundesebene regiert der Sozialdemokrat Bruno Kreisky mit einer Alleinregierung, aber im schwarzen Land hat Andreas Maurer, der Bauer aus Trautmannsdorf/Leitha, das Zepter in der Hand. Das Land versucht, durch Förderungen den Tourismus anzukurbeln, der durch den Krieg und die zehnjährige Besatzungszeit hinter den westlichen Bundesländern zurückblieb. Im Semmeringgebiet & der Wachau haben die Nächtigungszahlen die Vorkriegszeit übertroffen, auch auf kulturellem Sektor werden Impulse gesetzt, um den touristischen Ausflugsverkehr durch anspruchsvolle Darbietungen zu forcieren.

Die ersten Sommertheater. Im Sommer 1973 wird der erste Baustein für den blau-gelben Theatersommer gelegt, allerdings konnten die Gründerväter nicht ahnen, dass sich daraus ein Fest entwickeln würde, das jährlich Tausende Besucher anziehen würde. Damals bildeten Baden, Melk und Stockerau, das Stadttheater St. Pölten und die Carnuntumspiele Bad Deutsch Altenburg eine Arbeitsgemeinschaft, an die sich ein Jahr später das Kurtheater Reichenau anschloss. In Baden reichte die Tradition, im Sommer Theater zu spielen, weit zurück. Die Kurstadt baute bereits 1906 die Sommerarena. Diese wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder aktiviert, in Stockerau errichtete man eine Theaterbühne im Freien.

Wiener Schauspieler. In Melk spielte man erst Hugo von Hofmannsthals „Turm“ im Kolomanihof. Zum Publikumsmagnet wurde das Stift erst, als die Aufführungen vor dem Gartenpavillon stattfanden, wo bis zu 700 Besucher Platz fanden und Stücke von Nestroy und Raimund aufgeführt wurden. Baden knüpfte an seine Tradition an und lockte viele Wiener Gäste an. In Stockerau spielte man auf dem Platz vor der Kirche „Den Sommernachtstraum“ von Shakespeare. Es folgten bald Spielorte wie Neulengbach und Amstetten. Heute ist das ganze Land Bühne. Und nicht nur wegen der Sommerpause der großen Wiener Theater ist es nicht schwer, bedeutende Schauspieler, Sänger und Regisseure für die Mitarbeit zu verpflichten. Das NÖ Theaterfest ist zu einem wertvollen Bestandteil unserer Kultur und Identität geworden – mit einer viele Millionen Euro umfassenden regionalen Wertschöpfung.

Hans Ströbitzer