Europas Weg in die große Katastrophe. Schallaburg | „Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg“ will umfassende Antworten auf schwierige Fragen geben.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 01. April 2014 (11:00)
NOEN, Foto: Christoph Fuchs, Wien
Diese Taschenuhr rettete einem Soldaten im Ersten Weltkrieg das Leben. Die ihm zugedachte Kugel blieb in der Zwiebel stecken und erreichte nicht das Herz. Foto: privat

Von Thomas Jorda

Mit dem Wort Katastrophe sind wir rasch bei der Hand. Was tatsächlich Katastrophe ist, zeigt beeindruckend die Ausstellung der Schalla burg. Hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs widmet sie sich der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, die siebzehn Millionen Menschen das Leben kostete, vierzig Staaten in den Krieg riss, eine jahrhundertealte Ordnung zerstörte.

Viele Fragen auf 1.300 Quadratmetern

Einem Team von Wissenschaftern ist es unter der Leitung von Christian Rapp sehr gut gelungen, den Krieg auf 1.300 Quadratmetern Ausstellungsfläche darzustellen – anhand von tausend Objekten von 140 Leihgebern aus aller Welt, ergänzt durch Beiträge aus der Bevölkerung (siehe Bild).

Die Fragen, die sich Rapps Leute stellten: Wie konnte eine moderne Gesellschaft so schnell in einen solchen Krieg geraten? Wie schaffte sie es, sich darin einzurichten, trotz des Leides und der Not? Und warum hat es so lange gedauert, bis alles endlich zu Ende war?

Keine vorschnellen Antworten geben 

Vorschnell sind die Antworten nicht, zu umfassend die Aspekte, die sich längst nicht nur auf Militärisches beschränkten. Rapp: „Wir stellen den Krieg nicht anhand gewohnter historischer Zeitläufe dar, sondern als Querschnittsmaterie. “

Kurt Farasin, Geschäftsführer der Schallaburg, betont die Komplexität der Ausstellung: „Unser Ziel war, dass die Besucher sich auch daheim mit diesem Thema intensiv beschäftigen. Wenn wer nach eineinhalb Stunden hinausginge, überzeugt davon, jetzt diesen Krieg zu verstehen, dann hätten wir einen Fehler begangen.“

Die Festrede zur Eröffnung der Schau hielt am Freitag der Vorwoche Landeshauptmann Erwin Pröll. Seine Überzeugung: „Es ist oft sehr schmerzhaft, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Aber das Verdrängen ist keine Lösung und heilt keine Wunden!“

Lesen Sie zum Thema auch den Kommentar von Thomas Jorda aus der dieswöchigen NÖN-Landeszeitung: