Mit außergewöhnlichen Foto-Kunstwerken durch den Advent. Lois Lammerhuber, Initiator des umjubelten Fotofestivals "La Gacilly-Baden Photo", das heuer erstmals in Baden über die Bühne gegangen ist, hat exklusiv für die NÖN einen Foto-Adventkalender der besonderen Art kuratiert: Täglich präsentieren wir euch hier ein "Bild des Tages" aus dem reichhaltigen und herausragenden Bilderfundus des diesjährigen Festivals.

Von Thomas Jorda. Update am 01. Dezember 2018 (07:54)

Das Festival LaGacilly Baden: Sinnliche Magie großartiger Fotokunst

In Frankreich erleben jeden Sommer 400.000 Menschen das größte und spannendste Fotofestival Europas. Nein, nicht in Paris, sondern weit weg von jeder Metropole, im Dorf La Gacilly in der Bretagne. Die außerordentliche Qualität des Festivals macht den Besuch trotz der Randlage so attraktiv.

Heuer hat sich La Gacilly Photo erstmals selbst auf den Weg gemacht und in Baden bei Wien eine neue, zweite Heimat gefunden.

Von 8. Juni bis 30. September präsentierte sich das Festival erstmals auf einer Strecke von 4,5 Kilometer Länge in den Parks, Gassen und auf den Plätzen der Stadt mit über 2.000 Fotografien auf bis zu 300 Quadratmeter großen Leinwänden, gefasst in Bilderzählungen, die von 35 der weltbesten Fotografinnen und Fotografen gestaltet wurden.

I love Africa

Unter diesem Motto beschreibt eine einzigartige Auswahl von Fotografien – künstlerische Fotografie und Fotojournalismus – , die 2017 in La Gacilly und 2018 eben in Baden bei Wien zu bestaunen waren, diesen faszinierenden Kontinent. Das Who is Who der Fotografie – von Brent Stirton bis Elliott Erwitt – beleuchtete in den ausgestellten Bildern umfassend das Thema. Der öffentliche Raum wurde zum Szenenbild für ein Gesamtkunstwerk, dessen Energie sich aus zwei Schwerpunkten nährt: Geografie und Umwelt.

Dieses Jahr erzählten vor allem Bilder aus afrikanischen Portraitstudios von den Träumen der Menschen, die südlich der Sahara zu Hause sind. Zum anderen berichteten Langzeit-Reportagen von den berührenden und überraschenden Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

Der politische Reiz dieses doppelten Festivals findet sich auch in der Position der beiden Gemeinden. Das Dorf La Gacilly liegt nahe der Atlantikküste, also am westlichen Rand der einst bekannten Welt, die Kurstadt Baden bei Wien nahe dem Eisernen Vorhang an der östlichen Grenze der einst freien Welt.

Die Zukunft

Mit dem Festival 2018 begann eine exklusive Zusammenarbeit zwischen La Gacilly und Baden. Mit jeweils einem Jahr zeitversetzt findet das Fotofestival jeweils im Sommer erst in La Gacilly und dann in Baden statt. Was also heuer in Frankreich zu sehen sein war, präsentiert Baden 2019. In diesem Rhythmus geht es weiter. Damit gibt es die Möglichkeit, die besten Fotografen der Welt erst im Westen des Kontinents zu bestaunen und dann im Herzen Europas.

Der Rückblick

Es war einmal ein junger, tüchtiger Mann, der in der Bretagne begann, ein kleines, feines Kosmetikgeschäft aufzubauen. Yves Rocher gelang es, mit seinen biologischen Produkten und einem intelligenten Vertrieb eine Weltmarke zu schaffen. Das Unternehmen ist immer noch in der Nähe des Dorfes La Gacilly angesiedelt, Jacques Rocher, einer der Söhne Yves‘, ist lange schon Bürgermeister seines Geburtsortes.

Und er hatte eine wunderbare Idee. Jacques rief 2004 in La Gacilly ein Fotofestival ins Leben, das dem Thema Mensch und Umwelt gewidmet ist. Ohne falschen Fanatismus, aber aus tiefer Überzeugung, dass es dem Verständnis dient, globale Probleme auf die Ebene des Dorfes und der Familie herunterzubrechen. Er begann damit, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit der Zukunft der Erde und damit der Menschheit nachvollziehbar auseinanderzusetzen.

Um dieses Ziel zu erreichen, nutzte er die Möglichkeiten der Fotografie, jener Kunst, die seit hundert Jahren die kräftigste, aktuellste, zeitnahste und aussagestärkste ist. Und er traf damit den Nerv der Zeit.

Die Verbindung

Der Kontakt zwischen Baden und La Gacilly erfolgte auf Basis des freundschaftlichen Verhältnisses von Jacques Rocher und Lois Lammerhuber, einem der wichtigsten Fotografen der Gegenwart in Österreich. Lammerhuber hat weit über 1000 Reportagen erarbeitet, davon etwa 250 für die Zeitschrift GEO. Dazu kommen 79 Bücher und hunderte Magazincover. Im Jahr 2009 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Silvia den Verlag Edition Lammerhuber, der seither mit über 200 Preisen bedacht wurde und 2013, 2015 und 2017 als bester Fotobuchverlag Europas ausgezeichnet wurde.

Seit 1994 ist Lammerhuber Mitglied des Art Directors Club New York. Im Jahr 2014 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse verliehen.