Szene Waldviertel: Wenn Werwölfe jonglieren lernen. Zum 30. Geburtstag seiner „Szene“ macht Stephan Rabl seit diesem Wochenende das Waldviertel zur Manege.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 30. September 2020 (03:12)
Visionen, Wölfe und ein freches Püppchen in der Szene Waldviertel: „Vision of Hope“ jonglierten zur Eröffnung in Horn.
Eberli

Offen ist sie schon, die Szene. Da heulten erst, vor mittlerweile zwei Wochen, in Allentsteig die Wölfe. Dann flogen, vergangenes Wochenende, in Horn die Visionen. Und jetzt? Geht’s erst richtig los. Schließlich macht sie erst im Dezember wieder zu, die Szene. Und bespielt bis dahin noch (fast) das ganze Waldviertel.

Schließlich gibt es auch genügend Gründe, zu feiern. 30 Jahre Kinder- und Jugendtheaterfestival im Waldviertel, das heißt auch: 27 Jahre Szene Bunte Wähne plus 3 Jahre Szene Waldviertel. Erstere hat Stephan Rabl in einem kleinen Waldviertler Dorf gegründet, letztere hat der Waldviertler Theaterpionier auch wieder übernommen. Und, nachdem das Geburtstagsprogramm schon fix und die Szene schon im Juni öffnen wollte, nicht abgesagt, sondern verschoben.

„Momentan sind die drei sichersten Orte, wo man sein kann: Zuhause, in der Natur und in der Kultur.“ Stephan Rabl, Theater-macher, Festivalleiter und gebürtiger Waldviertler

„Für mich war ganz klar, dass wir das Festival machen“, meint Stephan Rabl. „Da geht’s auch um Verantwortung.“ Ohne internationale Gruppen („das ist die größe Veränderung“), ohne Radtour, Badebesuch und Rund-um-die-Uhr-Programm (das war alles für Sommer geplant). Dafür „so flexibel wie möglich“. Das sei zwar „anstrengend“.

„Herr Rolf der Werwolf“ knurrt als nächstes am 10. Oktober in Raabs
Schober

Dafür brauche es aber auch „eine gewisse Leichtigkeit“ im Programm. Also hat man das gleich unter das Motto „Zirkus und Co.“ gestellt. Und in die Manege(n) Werwölfe (Holger Schobers „Herr Rolf“), Schiffbrüchige (Yannick Zürchers „Robinson Crusoe“) und Märchenfiguren (Sophie Webers „Pinocchio“) eingeladen, aber auch Süßes aus der Region („Chocolat“) und Romantisches aus der Welt des Cross-Over (Scharmien Zandis und Sarah Scherers „Amour Fou“).

Ein „Geheimtipp“ war etwa „Amour Fou“ – bis es für den Nestroy nominiert wurde. Ein Stammgast dagegen ist Schauspieler, Autor und Regisseur Holger Schober, der „sehr zeitspezifisch“ und „so nahe wie möglich an den Menschen“ spielt. Das, so Stephan Rabl, seien auch Beispiele dafür, dass man weitermachen kann.

„Pinocchio“ lügt am 17. Oktober in Horn.
Rathmanner

Was er sich für seine Szene im 30. Jahr wünscht? Dass die Menschen „den Kontakt zu Menschen und zur Kultur suchen. Das ist jetzt wichtiger als je zuvor!“ Man sei, so Rabl weiter, „in einer großen gesellschaftlichen Veränderung“. Was daraus wird, wisse man noch nicht. Momentan sei der Kontext die Angst. Aber auch das könne sich wieder ändern. Und: „Da hat Theater eine große Kraft!“

www.szenewaldviertel.at