Achtzehn Preise und eine Torte. Zum 10. Geburtstag feierte man mit zwei neuen Preisen und jeder Menge brisanten Themen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. Februar 2020 (01:19)
Zehn Jahre,zehn Finger oder doch fünfzehn? Mercedes Echerer, die neue Obfrau (links), undMarlene Ropac, die langjährige Geschäftsführerin von Österreichs Filmakademie und auch Niederösterreicherin in Grafenegg.
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Natürlich ging es vergangene Woche auch um Filme. Schließlich feierte Österreichs Filmpreis am Donnerstag seinen zehnten Geburtstag. Und die ganze Filmszene feierte mit.

Und doch ging es in Grafenegg auch um ganz andere Themen. Um Nachhaltigkeit und Klimaschutz – für die Abendregisseurin Mirjam Unger eine kleine Birkenallee auf die Bühne gepflanzt hatte. Und neben Vogelgezwitscher und Waldlichtungslicht noch eine Menge anderer „grüner“ Ideen in den Zuschauerraum des Auditoriums schickte. Es ging um Toleranz und Diversität – für die das Moderatorenpärchen schnell mal die Kleider getauscht hatte und für die so viele farbige Frauen wie noch nie auf den Preisträgersesseln Platz nahmen.

„Mir fehlen die Worte!“ Schauspiel-Star Tobias Moretti, ausgezeichnet für die beste männliche Hauptrolle 2019 in „Gipsy Queen“

Es ging um Frauenquoten und Frauenpower – für die ganz viele Gäste goldene 50/50-Buttons auf der Brust trugen und Filmpreisträgerin Karina Ressler forderte: „50/50 – und zwar jetzt!“. Es ging um Filmförderung und Programmkinos – für die nicht nur die Verleiher eine Lanze brachen, sondern auch die Politik ein Versprechen abgab. Gastgeberin und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Meinen Kollegen kann ich nur raten: Nehmt mehr Geld für die Filmförderung in die Hand. Und wenn ich Ihnen etwas versprechen darf, dann, dass die Filmbranche auf NÖ zählen darf!“

Es ging aber auch um einen Geburtstag – für den mit Ukulele und Konfetti ein Ständchen gesungen wurde („Für immer jung“) und für den auf der Bühne auch eine Torte angeschnitten wurde. Und: Es ging um eine ganze lange Liste voller Preisträger.

Auf der standen, zumindest auf der Liste der Nominierten, auch so viele Niederösterreicher wie noch nie. Auf der Preisträgerliste standen dagegen nur zwei Niederösterreicher: Josef Hader, der 2018 für seine „Wilde Maus“ zweimal nominiert und leer ausgegangen war und 2020 für „Nevrland“ als beste männliche Nebenrolle ausgezeichnet wurde. Und Michael Kitzberger, der gemeinsam mit Nikolaus Geyrhalter und der Geyrhalter Film „schon oft“ nominiert war und heuer gemeinsam mit Uli Gladiks „Inland“ für „Erde“ mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.

„Wir freuen uns sehr“, so Kitzberger, „auch, dass es bei der Jubiläumsfeier erstmals geklappt hat“. Umso schöner sei auch, dass es diesmal zwei Preisträger gab. Er hoffe, dass noch viele Menschen „Erde“ und „Inland“ sehen könnten. Und dass „so sinnstiftende“ Filme auch weiterhin gefördert würden – „auch wenn sie nicht kurzfristig die Massen ins Kino locken“.

Freude und andere „wunderschöne Gefühle“ gab es auch bei den anderen Filmpreisträgern 2020. „Immer wieder gerne“, meinte etwa Maskenbildner und Filmpreisträger Heiko Schmidt. „Das ist gerade wirklich aufregend“, gab Kostümbildnerin und Filmpreisträgerin Christine Ludwig zu. „Ich freu mich riesig, und ich bin sehr stolz“, meinte Szenenbildnerin Katharina Wöppermann, die auch die Jubiläumsgala mitgestaltet hatte.

„Ich freu mich sehr“, sagte Schauspielerin und Filmpreisträgerin Pia Hierzegger. Und Film- und Bühnen-Star Tobias Moretti war gleich „ganz weg, mir fehlen die Worte. Das kam völlig unerwartet. Aber schon die Nominierung hat mich wahnsinnig gefreut!“

Und die zwei neuen Preise, zusätzlich zu den den 16 bisherigen Kategorien? Die gingen erstmals an den publikumsstärksten Kinofilm des vergangenen Jahres, nämlich Andreas Schmieds „Love Machine“ mit über 141.000 verkauften Tickets. Und der erste Ehrenpreis der Akademie ging an Mitbegründer, Obmann und Produzent Josef Aichholzer. „Ich bin“, so der Überraschte, „ein wenig von der Rolle. Aber das sind wir ja gewohnt – beim Filmemachen.“