Flügel des Bullen. Red Bull spaltet als Drink die Geschmäcker. In einem sind sich aber alle einig: Die Flügel-Werbung ist Kult.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 07. Juni 2017 (01:29)
APA (Archiv)

Noch ist es nicht davongeflogen, das Karikaturmuseum in Krems. Obwohl es seit über einer Woche Flügel hat. Flüüügel, um genau zu sein.

Dreißig Jahre ist das Werbekonzept von Red Bull alt. Und immer noch heißt es: Verleiht Flüüügel. Dieses Red Bull, das manche heiß lieben und andere weder riechen noch schmecken wollen, hat seine Wurzeln in Thailand, wo es der Salzburger Unternehmer Dietrich Mateschitz Mitte der Achtzigerjahre entdeckte. Der entscheidende Wirkstoff in Red Bull ist das Taurin, das japanische Piloten zur Leistungssteigerung bekamen und dann den Weg eben nach Thailand fand.

KM
Red Bull verleiht sogar dem Froschkönig Flügel.

Hinter dem gewaltigen Erfolg von Red Bull steht ein Werbekonzept, das ein Freund von Mateschitz entwickelte, Johannes Kastner, Chef einer Frankfurter Werbeagentur. Was sich er und Mateschitz ausdachten, setzte Kastners Artdirekor, der bereits verstorbene Horst Sambo, als Cartoon visuell um. Die Zeichnungen, meist in Bleistift und Tusche ausgeführt und mit wenigen Farbstiftstrichen ergänzt, sind die Grundlage von Trickfilmen. Diese Kampagne läuft heute in über 100 Ländern – Stars sind zum Beispiel der enttäuschte Froschkönig, der schlaue Napoleon, der durstige Dracula, das kluge Zebra oder sogar der Tod im Salzburger Jedermann.

Der sympathisch-zittrige Stil der Clips sind ein Werk des Ungarn Tibor Hernádi, der Sambos Zeichnungen – meist in Bleistift und Tusche ausgeführt und mit wenigen Farbstiftstrichen ergänzt – genial umsetzte. Seit fast dreißig Jahren werden die Spots der Red-Bull-Kampagne von fünfzehn Frauen und inzwischen einem Mann im südungarischen Pécs produziert. Sie zeichnen im Trickfilmstudio Cartoon Garage die Filme immer noch mit derselben Technik von Hand.

Im Karikaturmuseum sind über zweihundert Originalzeichnungen, Trickfilm-Einzelzeichnungen, Skizzen und Entwürfe zu sehen. Und darüber hinaus wird das Wesen und die Wirkung von Werbung vermittelt.

Karikaturmuseum Direktor Gottfried Gusenbauer ist sehr stolz auf die Schau, an deren Realisierung er gar nicht mehr geglaubt hatte. Aber seiner Idee wurden Flüüügel verliehen. Thomas Grabner, CEO der Werbeagentur Kastner & Partners, konnte und wollte helfen. Was nicht verwundert, ist er doch Sohn des Kremser Altbürgermeisters Erich Grabner.