Wo die Damen badeten

Zum 200. Geburtstag erinnert sich Badens Frauenbad an seine Quellen – von Hoheiten bis Kunststars.

Michaela Fleck
Michaela Fleck Erstellt am 22. September 2021 | 04:49
Carolinenbad
Gemischtes Vollbad bei 34,7 Grad: Im Carolinenbad, einem der beiden Badehäuser unter dem Dach des Frauenbades am Badener Josefsplatz, badeten Frauen und Männer anno 1893 auch gemeinsam. Preis für „ein Vollbad mit Wäsche“: 1,80 Kronen. 
Foto: Stadtarchiv Baden

Es ist „ein Prachtwerk“. Schrieb das Extrablatt. Das war 1878. Und das Badener Frauenbad längst eine Institution. Denn: Der Grundstein zum Bau am Badener Josefsplatz mit den klassizistischen Säulen vor der Tür und dem Marmor dahinter war schon 57 Jahre zuvor gelegt worden. Am 7. April 1821. Vom „durchlauchtigsten Herrn Erzherzog“.

Der ließ dort, wo seit dem Mittelalter zwischen zwei der vielen Badener Thermalquellen die „Frauenkirche“ gestanden hatte, vom Architekten des Wiener Dianabades ein Badehaus bauen – wo man, so ein Zeitgenosse an Herrn von Goethe, „in Gesellschaft badete“. Wo aber auch der Kaiser kurte.

200 Jahre und eine ganze Reihe von Umbauten später ist das Frauenbad, das Frauen- und Carolinenbad unter seinem Dach vereint, noch immer eine Institution. Aber eine für moderne Kunst. Erwin Wurm, Albert Paris Gütersloh oder Christian Ludwig Attersee hingen da schon zwischen Badebecken und Ankleidekabinen. Und, gleich bei der ersten Kunstausstellung im Jahr 1977, auch Arnulf Rainer.

Frauenbad
Badeschluss: Bis 1973 wurde im Frauenbad gebadet. Die historische Tafel mit den Öffnungszeiten liegt seit Sonntag für die Jubiläumsschau im Spiegelsaal.
Fleck

Dem Badener „Über-Maler“ ist das Badener Frauenbad seit 2009 als eines von NÖs monografischen Museen gewidmet. Und hat auch in seiner Geburtstagsschau, die man vergangenen Sonntag eröffnet hat, einen Rainer im Haus: einen schwarzen, ohne Titel und ohne Jahr, aber eigens angestrahlt, im Stundenbad.

Daneben, in den Ankleidesälen, hat man Pläne, Grundrisse und Architektenzeichnungen versammelt, in Bleistift, Farbe und mit Feder auf Transparentpapier. In Bädern erzählen Fotos vom Baden, im Stiegensaal weist ein historischer Stadtplan den Weg und erinnern Faksimiles (aus der Albertina) an frühere Ansichten, in der Galerie im Zwischengeschoß hängt ein Waldmüller-Porträt des Architekten, in Öl. Und im Spiegelsaal liegen Badetücher, Spielkarten oder Preislisten, die man in Badens Stadtarchiv „ausgegraben“ hat.

„Schätze“ sind das, wie auch die Symbiose aus der „einzigartigen klassizistischen Architektur“ und den „Werken eines der international bedeutendsten Künstler“, so Rainer Museums-Geschäftsführer Paul Gessl.

www.arnulf-rainer-museum.at