Britische Indie-Exporte und echter Hip Hop. Leisere, unverzerrtere und poppigere Klänge waren am Festival-Mittwoch die Alternative zum rockigen Dienstag-Programm auf der Space Stage.

Von Mario Kern. Update am 18. August 2017 (08:52)

Die sympathische Rapperin Fiva startete nachmittags gekonnt den Bandreigen und übergab an den „britischen Block“: die Indie-Folker von Bear’s Den, Sängerin Anne-Marie, Pop-Elfe Birdy, Feel-good-Songwriter George Ezra und die Frequency-Heimkehrer Placebo, bevor Bilderbuch für den deutschsprachigen Abschluss auf der Space Stage sorgten.

Birdy sorgte gesanglich und an den Tasten für romantische Stimmung beim deutlich zahlreicheren Publikums als noch am Tag zuvor. Mit Songs wie „Breathe“ wusste die erst 21-Jährige zu begeistern. Nach einem „Austin Powers“-Intro bescherte George Ezra mit seinem nicht weniger romantischen Feel-good-Pop für Schwärmerei und gute Laune. Die Zuhörerschaft hatte Ezra auf seiner Seite, landete doch der Brite mit seinem Song „Budapest“ in Österreich sogar auf Platz 1 der Charts.

Placebo mussten nach ihrem Wiedergutmach-Auftritt vor drei Jahren (sie brachen 2012 nach nur einem Song ihr Konzert ab) das Publikum eigentlich nicht mehr überzeugen, zeigten sich dennoch in guter Form. Das britische Trio spielte sich durch die Diskographie und ließ keine Wünsche offen. Für die schmachtende Fanschar gab es natürlich auch das obligatorische Kate Bush-Cover „Running up that hill“.

Bilderbuch erfreuten nach ihrem Auftritt im Vorjahr erneut das Frequency, diesmal als Headliner der Space Stage. Abgesehen von der neuen Haarfarbe von Sänger Maurice Ernst war das Programm souverän wie auch 2016 und sorgte bei den geneigten Fans für Entzücken. Einmal bewiesen die Österreicher, warum sie mit ihrem einzigartigen Stil und viel Schmäh die Herzen gewinnen.

Rockiger ging es auf der Green Stage zu – hier spielte die Post-Hardcore-Band The Amity Affliction ein starkes Brett, bevor die amerikanische Alternative-Metal-Gruppe Breaking Benjamin mit harten Riffs und eingängigen Melodien das Publikum vor der Bühne verzückte.

Youtube-Phänomen Yung Hurn füllte fast die VAZ-Halle C, als er mit einem Co-Rapper und einem Handy-Film-fokussierten Tross den Headliner auf der Weekender Stage gab. Wuchtige Bässe und Generation-Selfie-bezogene Texte schleuderte der Wiener ins dankbare Publikum, das er bereits vor dem ersten Ton auf seiner Seite hatte. Wie sich gnadenloser gut ausgefeilter und grooviger Hip Hop anhören sollte, zeigten Cypress Hill auf der Green Stage.

Der Platz vor der Bühne war zum Bersten voll, süßliche Düfte und Stürme der Begeisterung begleiteten Hits wie „I wanna get high“, „Dr. Greenthumb“ und das übermächtige „Insane in the brain“, das selbst nach 24 Jahren noch eine Hip-Hop-Hymne sondergleichen ist. Mit ihrem Frequency-Auftritt zeigten die Rap-Ikonen aus Los Angeles, warum sie verdientermaßen Ikonen des Genres sind.