Erstellt am 17. August 2014, 20:32

von Gerti Süss

„Es geht um Gefühle, nicht um Sprache“. Am dritten Frequency-Tag gastierte der belgische Superstar Stromae in St. Pölten. Die NÖN traf ihn vor dem Konzert zu einem Interview.

 |  NOEN, Alexander Gloeckel

NÖN: Mit Hits wie „Alors on dance” oder „Papaoutai” hast du bewiesen, dass man auch mit einem französischsprachigen Song europaweit die Charts erobern kann. Hast du trotzdem jemals daran gedacht, auch auf Englisch zu singen?

Stromae: Ja, natürlich. Aber dank „Alors on danse” habe ich gesehen, dass es in der Musik nicht immer nur um die Sprache und vor allem auch nicht um die Vorherrschaft von Englisch gehen muss – was gut ist. Englisch ist ja nicht die einzige Sprache auf dieser Welt. Andere Sprachen ermöglichen andere Perspektiven in der Musikwelt,  und das ist doch auch wichtig. Wobei es ja eigentlich gar nicht mein primäres Ziel war, für Menschen zu singen, die nicht französisch sprechen. Mit diesem internationalen Erfolg habe ich ja nie gerechnet. Aber danach habe ich mir gedacht: Warum nicht? Es geht um die Musik, und das hat viel mehr mit Gefühlen als mit einer speziellen Sprache zu tun.

Hast du gewusst, dass eine österreichische Band „Alors on danse“ gecovert und es „Alloa bam Fraunz“ genannt hat?

Stromae: Haha, wirklich? Was heißt das?

„Allein beim Franz”, im österreichischen Dialekt.

Stromae: Oh doch, vielleicht habe ich das einmal gehört. Ich hatte einmal ein Konzert im Flex in Wien, und ich glaube, da hat mir das einmal jemand erzählt. Aber ich hatte es schon wieder vergessen.

Du singst sehr oft über sehr ernste Themen. In „Papaoutai“ geht es darum, dass einem Jungen eine Vaterfigur fehlt. Und du machst kein Geheimnis daraus, dass dein Vater bei dem Völkermord in Ruanda getötet wurde. Hilft dir die Musik, um diese schmerzhaften Erfahrungen zu verarbeiten?

Stromae: Naja, es geht vielmehr darum, was ein guter Vater ist. Die erste Version des Songs war sehr persönlich, aber in der Radioversion geht es vielmehr um die allgemeine Frage, wie man in unserer Gesellschaft als ein guter Vater gilt. Wobei es auf diese Frage keine generelle Antwort gibt. Man kann nur sein Bestes geben, das Gleiche gilt aber auch für Mütter. In meinen Texten verarbeite ich verschiedenste Erfahrungen.

Deine Texte sind generell sehr ernst. Und trotzdem sind deine Singles eher Partyhits. Ist das nicht paradox?

Stromae: Nein, für mich passt das so und das lässt sich ja auch nicht immer trennen. Man kann ja auch Spaß haben und trotzdem über ernste Themen nachdenken. Wenn man zum Beispiel den Stress einfach wegtanzen möchte.

Dein zweites Album „Racine carré” ist letztes Jahr erschienen. Arbeitest du bereits am nächsten oder gönnst du dir nach der Festivalsaison einmal eine Pause?

Stromae: Ja, vor dem dritten Album gönne ich mir sicher eine Pause. Aber ich bin auch noch bis September 2015 auf Tour. Jetzt konzentriere ich mich einmal auf die Tour und vielleicht produziere ich auch noch Musik für jemand anderen. Ich finde es gut, wenn man sich nicht nur auf seine eigenen Projekte konzentriert. Wenn man mit anderen Künstlern zusammenarbeitet, bekommt man wichtiges Feedback und neue Inspiration.