Schieles Schätze: Ausstellung in Tulln. Von Familien, Freunden und Förderern erzählt die frisch bestückte Schatzkammer im Tullner Schiele Museum.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:55)
Einer von Schieles Schätzen: die Sonnenblume aus 1908 und aus dem Bestand von NÖs Landessammlungen, die derzeit in der Schatzkammer des Schiele Museums in Tulln blüht.
Landessammlungen NÖ, Landessammlungen NÖ

Groß ist sie nicht. Gut versteckt oder schwer bewacht auch nicht. Nein, ganz bescheiden drängt sie sich in eine der Ecken an der Tullner Donaulände Nummer 28. Und hütet dort, im ehemaligen Bezirksgefängnis, doch alljährlich einen neuen Schatz.

Der kommt aus den Beständen von Niederösterreichs Landessammlungen, aus dem Besitz der Stadt Tulln und aus den Wohnzimmern von privaten Leihgebern. Und der zeigt – seit über 30 Jahren und jedes Jahr neu – Rares aus dem Frühwerk von Egon Schiele.

13 Originale hat Kurator und Schiele-Kenner Christian Bauer 2021 für die kleine Schatzkammer des Schiele Museums ausgesucht und mit „Familie, Freunde, Wegbegleiter“ übertitelt. Einige davon waren schon 2020 da, Marie, die Mutter, schmal und traurig, Adolf, der Vater, fern und streng, Leopold, der Vormund, stolz und stur, die „Boote im Hafen von Triest“, leuchtend und bunt.

Aber auch ein Kreide-Akt auf Packpapier hängt da an den samtroten Wänden („da geht’s um Gerti“, Egons Schwester, zu der er gesagt haben soll: „Steh’ auf, ich muss dich malen!“), ein Bleistift-Porträt eines Kriegsgefangenen, eine Sonnenblume, die an Gustav Klimt erinnert, eine „Waldandacht“ („da geht’s um seine Schulfreunde, Hans, Max und Fritz Karpfen“), zwei Damen mit Hut („da geht’s um Melanie“, Egons älteste Schwester, die Modistin wurde) oder ein noch nie gezeigtes Skizzenbuch mit Bezug zu einer Jugendliebe. Sehr familiär, sehr kostbar!

www.schielemuseum.at