Frische, freche Kunst. Zwei Wochen lang war die Kunsthalle an der Kremser Kunstmeile Werkstatt. Und zeigt seit Samstag, was Sarah Lucas, Hieronymus Bosch und Gelitin gemeinsam haben.

Erstellt am 17. Juli 2011 (22:43)
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Eine Arbeit des Künstlerkollektivs gelitin, deren vier Mitglieder zu 50 Prozent Kremser sind: Boring Island, Mossutställningar, Stockholm 2009. Zu sehen ab Juli in der Kunsthalle.ERIK BERG
VON MICHAELA FLECK

„Das war ein wildes Treiben!“ Sagt der Kunsthallen-Direktor. Und: „Das ist ein Glücksfall, dass die bei uns eingefallen sind!“
Die, das ist das Künstlerkollektiv Gelitin (früher: Gelatin). Das mochte die Kunsthalle an der Kremser Kunstmeile schon lange (schließlich kommen gleich zwei der vier Gelitin-Köpfe aus Niederösterreich – einer aus Mistelbach, einer aus St. Pölten). Und das hat sich jetzt zwei Wochen lang und mit einer 30-köpfigen „Künstlerfamilie“ im ganzen Haus einquartiert – für eine „wirkliche Gruppenarbeit“.

Deren Ergebnis heißt „Lucas Bosch Gelatin“. Und ist sicher die ungewöhnlichste Schau in der Geschichte der Kunsthalle. Da stöckeln zentimeterhohe, in Gips gegossene High Heels durch wild getünchte Wände, da baumeln prall gefüllte Strumpfhosenbrüste von der Decke, und da balancieren kunstvolle Sesselskulpturen vorsichtig zwischen angerosteten Badewannen.

Da wachsen Arme, Beine, Tentakel aus einem meterlangen, umgestürzten Maibaum, da thront ein Bidet auf einem Nierentischchen, und da wartet hinter der nächsten Wand ein knallbunter Kopffüßer aus kuschelweichen Plüschtierteilen.
Wild und wüst und frech und fantastisch ist die Welt aus Kunst und Chaos, die Gelitin gemeinsam mit der Künstlerin Sarah Lucas (von ihr stammen die High Heels, die Strumpfhosen und die Bidets) und den Kuratoren Hans-Peter Wipplinger & Brigitte Borchhardt-Birbaumer da geschaffen haben. Eine Welt, die gar nicht so unähnlich zu den fantastischen Welten von Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel ist, die da mittendrin in kleinen, dunklen Rahmen hängen.
„Den einen oder anderen wird das sicher schockieren“, meint Hans-Peter Wipplinger. Aber: „Als Pferd sieht man das sicher ganz anders!“ Und die Pferde, die warten in der Kunsthalle gleich beim Eingang – in Plüsch und bereit zum Ausreiten …