Futter für die Seele. Mit den Sinnen spielen“ und „am Herz packen“ wollen die ersten Internationalen Barocktage in Melk unter der Leitung von Star-Tenor Michael Schade. Am Freitag geht’s los.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 02. Juni 2014 (05:01)
NOEN, www.photo-graphic-art.at
„In Melk kriegt man sofort Gänsehaut!“: Kammersänger Michael Schade, der sich „wie ein Kind auf Weihnachten“ auf seine ersten Internationalen Barocktage im Barockstift von Melk freut.

„Wir müssen den Menschen Seelenfutter geben!“ Sagt einer, der seit Schultagen singt. Und seit heuer auch dirigiert. Kein Orchester, aber ein Festival, Niederösterreichs ältestes Barockfest. Zum 23. Mal lädt das heuer in Niederösterreichs prächtigstes Barockstift zum ersten Mal unter seinem neuen künstlerischen Leiter: Michael Schade.

„Das ist“, erzählt der Tenor, der schon in der Carnegie Hall und in der Staatsoper, in Salzburg und in Grafenegg gefeiert wurde, „genau das, was ich immer machen wollte!“ Und das wird „ein musikalisches Spiel mit den Sinnen“. Inspiriert haben ihn dazu Joseph Haydns „Jahreszeiten“. Und die Elemente Himmel, Erde, Feuer und Wasser. Die gibt’s nicht nur in der barocken Musik. Denen begegne man auch im barocken Stift auf Schritt und Tritt.

Zwischen Wasser, Feuer und Liebesnarrheiten 

Also lädt man zum Auftakt am Freitag zur „Wassermusik“, von Telemann bis Thomas Daniel Schlee, gibt am Samstag „Die Jahreszeiten“, singt am Sonntag von den Narrheiten der Liebe und lässt zum Abschluss am Montag Händels königliche Feuerwerkskörper steigen. Dazwischen gibt’s städtische Pfeiffer, spätbarocke Quartette (mit dem Quatuor Mosaiques), süße Flöten, nächtliche Flügel, stürmische Elemente (mit dem L’Orfeo Barockorchester), galante Lieder. Und: ein Frühstück.

„Da kann man sich mit mir an einen Tisch setzen, ein Semmerl essen und reden“, verspricht Michael Schade. Was er noch vorhat? „Stühle tragen“, lacht Schade. „Neue Wege“ gehen – etwa die zu den zwei Konzerten, die auch im Park stattfinden („Wer nicht gehen kann, der wird hinaufgetragen!“). „Auf die Jugend setzen“ – beim Johann-Heinrich-Schmelzer-Wettbewerb, deren junge Teilnehmer auch beim Abschlusskonzert dabei sind („Wir machen die ‚Fireworks‘ in der Originalbesetzung mit über 30 Oboen – das gab’s noch nie in Österreich“). Eine „Vision“ haben – nämlich die einer ständigen Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourts Concentus Musicus. Und: Singen.

Das Schlimmste an der alten Musik sei ohnehin das Wort „alt“

Vor 13 Jahren hat der in Toronto aufgewachsene Sohn deutscher Eltern, der erst Veterinär werden wollte und dann als Mozart-Tenor berühmt wurde, zum ersten Mal in Melk gesungen. Heuer wird er Sonntagabend auf der Bühne des Kolomanisaals stehen. „Ein Sänger“, sagt Michael Schade, „hat die Gabe, den Leuten ins Herz zu schauen. Und die Barockmusik kann uns am Herz packen und in eine Sinnlichkeit bringen, die kaum an Wagners ‚Liebestod‘ herankommt.“ Das Schlimmste an der alten Musik sei ohnehin das Wort „alt“. Und da er ja „ein kulturantreibender Mensch“ sei, wolle er in Melk ein wegweisendes Festival machen, eines, das Licht des „Leuchtturms“ in Grafenegg zurückschickt.

Und vom Publikum? „Wünsche ich mir Menschen, die mit offenem Herz kommen!“           
6. bis 9. Juni, www.barocktage.at