Die Schau der wilden Frauen. Den „Ladies“ in der Art brut hat die Gugginger Galerie ihre jüngste (Verkaufs-)Schau gewidmet.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 23. September 2020 (03:08)
Ida Buchmanns „Liebespaar“ (rechts an der Wand), Julia Hanzls „Sisters“(links vorne auf der Stele) und Karl Vondals „Lollitas“ (in der Mitte): Die „ladies –brut“ bevölkern seit vergangener Woche die Galerie in Gugging.
Philipp Parfuss

Brav waren sie nie. Und allein sind sie schon lange nicht mehr. Denn auch wenn die Art brut, also: die „rohe Kunst“, jahrzehntelang „Männersache“ war und die Künstlerinnen mindestens ebenso lang klar in der Minderheit: Gemalt haben sie schon immer, die „Ladies“.

Auch, als das Gugginger Haus der Künstler noch in den Kinderschuhen steckte, standen da schon zwei Damen auf der Künstlerliste von Psychiater Leo Navratil: Karoline Rosskopf und Barbara Demlczuk. Nur waren und wurden die nie so bekannt wie ihre männlichen Kollegen, wie Johann Hauser, August Walla oder Oswald Tschirtner.

Ihnen beiden und vielen anderen „ladies – brut“ hat Galeristin Nina Katschnig ihre jüngste Schau in der Gugginger Galerie gewidmet. Und will damit die „Frauen in der Kunst feiern“ und, so Kuratorin Irina Katnik, „das Weibliche in den Vordergrund stellen“.

Auch internationale Künstlerinnen und Künstler

48 Künstlerinnen und Künstler mit Frauen in ihren Bildern sind da – erstmals – in den gesamten Galerieräumlichkeiten im Erdgeschoss des Gugginger Museumshauses, auf den Gängen und im Lichthof zu sehen. Und zwar „nicht nur Gugginger, sondern auch internationale Künstlerinnen und Künstler“, erklärt Galerie-Managerin Gerti Hacker.

Karoline Rosskopf mit ihren bleistiftgrauen „Menschen“ ist da ebenso zu sehen wie Barbara Demlczuk mit ihrer nackten Dame mit dem Blumensträußchen zwischen den Beinen. Auch Ida Buchmann mit ihren Bauchgesichtern und ihrem „Liebespaar in der Kiste“ oder Laila Bachtiar mit ihrem blinzelnden „Vogel Strauß“ hängen da zwischen rosenroten und dunkelvioletten Wänden. Unter den „wilden Ladies“, zu denen auch Julia Hanzls strenge „Katzen“-Skulpturen gehören, tummeln sich aber auch die Nymphen von Adria Sartore in Öl auf Holz, die Laufsteg-Kleider von Helen Rae, die tuscheschwarzen Frauenköpfe von Madge Gill oder Adam & Eva von der „Vorstadtgräfin“, einer ehemaligen Gugginger Psychiatrie-Patientin.

„Das sind unsere Raritäten“, schwärmt Gerti Hacker. Genauso wie die Frauen mit den roten Haaren und bunten Strümpfen von Franz Kamlander, die „Königin Elisabeth“ von Philipp Schöpke, die „Doris“ von August Walla, die „Alexandra“ von Johann Korec („das war ja eine seiner Liebschaften“) oder die „junge Frau“ von Oswald Tschirtner. Die „teuerste Dame“ in der Galerie stammt vom Schweizer Art-brut-Star Aloïse Corbaz und ist für 44.000 Euro zu haben, dagegen sind Heinrich Reisenbaues „Frauen“ („die hat er extra für die Schau gemalt“) mit 4.100 Euro fast günstig.

Eröffnen wollte man die „ladies - brut“ ursprünglich im Juni, jetzt laufen sie noch bis 8. November . Und einen Stock höher, bei Oswald Tschirtner, dessen 100. Geburtstag man vergangenen Sonntag nachfeierte, und Co. im Museum, hat sich bis 15. November eine andere „wilde Dame“ einquartiert: Künstlerin Marianne Maderna. www.galeriegugging.com