Dichter & Kämpfer: Felix Mitterer ist 70 Jahre alt. Felix Mitterer, seit acht Jahren im Weinviertel zu Hause, ist siebzig Jahre alt.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 06. Februar 2018 (02:18)
Erich Marschik
Liebt das Weinviertel: Felix Mitterer im Brandlhof in Radlbrunn.

Die Hotels reichen dreizehn Stockwerke in die Tiefe, die Berge sind grünverbrämte Müllhalden, die Kühe Automaten – Pointen wie diese machten die vierteilige „Piefke-Saga“ des ORF Anfang der Neunzigerjahre zum Skandal und ihren Autor, Felix Mitterer, zum Schmuddelkind des heimischen Tourismus.

Aber die Zeiten ändern sich. „Die Piefke-Sage“ ist längst Kult, ihr Urheber ein hochgelobter Schriftsteller, der am 6. Februar seinen 70. Geburtstag feiert.

Die Basis seines Ruhmes legte er aber schon 1977 mit einem Volksstück, das bis heute Gültigkeit hat: „Kein Platz für Idioten“, eine Tragödie um einen behinderten Buben.

Mitterer sei ein "Tiroler Heimatdichter und Volksautor"

Das Werk von Felix Mitterer ist überbordend. Hier nur ein paar Beispiele: „Sibirien“ (Uraufführung 1989; oft von Fritz Muliar gespielt), „Krach im Hause Gott“ (Uraufführung 1994 Bregenzer Festspiele); „Die Weberischen“ (Libretto, Uraufführung 2006 Vereinigte Bühnen Wien); „Jägerstätter“ (2013 ein wahrer Triumph für den Darsteller der Titelrolle, Gregor Bloéb, bei dessen Haager Theatersommer) und „Glanzstoff“ (Bürgertheater 2015 Landestheater St. Pölten – Nestroy-Spezialpreis!).

Felix Mitterer ist 1948 im Tiroler Achenkirchen zur Welt gekommen. Er wurde als Sohn einer Witwe und eines rumänischen Flüchtlings von einem Landarbeiterehepaar adoptiert. Umstände wie diese haben ihm die Kraft zu gegeben, unbeirrbar für die Außenseiter der Gesellschaft zu kämpfen. Und das mit beeindruckendsten literarischen Mitteln, die ihn zum großen Dichter und beherzten Kämpfer machen. Er selbst sieht das bescheidener, er sei ein „Tiroler Heimatdichter und Volksautor“.

Von 1995 bis 2010 hatte er im irischen Castlelyons gelebt und gearbeitet. Aber: „Ich bin in Irland gesessen und draufgekommen, dass ich langsam meine Sprache verliere. Das ist für einen Schriftsteller eine Katastrophe!“ Also suchte er eine neue Bleibe und fand sie 2010 in Ravelsbach im Weinviertel: „„Die Landschaft ist wie in Irland. Ich habe mir gedacht, dass ich verrückt geworden bin, weil ich geglaubt habe, in Irland zu sein.“

Die Ankunft war gut. „Es war für mich überraschend, wie sehr ich von den Menschen im Dorf angenommen wurde. Aber sie haben uns auch in Ruhe gelassen. Mir war das sehr recht, dass ich nicht wieder bei Null hab‘ anfangen müssen. Es ist fein, wenn man anerkannt und gemocht wird. Mehr noch: Kaum war ich im Weinviertel, haben die Bühnen des Landes schon meine Stücke gespielt.“

Und daran hat sich zum Glück bis heute nichts geändert.