Gerhard Dorfer: Der "falsche" Herr Hofrat. Als Gerhard Dorfer vor Jahren - es muss irgendwann in den frühen 90ern gewesen sein - mit seinem weinenden Sohn, der einen entzündeten Blinddarm hatte, ins Kremser Krankenhaus kam, sah ihn der Pfleger dort aufmerksam an...

Von Verena Randolf. Erstellt am 29. Juni 2015 (11:56)
NOEN, Foto: zVg
Die Winter im Waldviertel wurden irgendwann einfach zu beschwerlich. Deswegen besorgte sich Schauspieler Gerhard Dorfer auch eine Wohnung in Stein: »Mit Blick auf die Donau! Das genieße ich sehr!«

„Haben Sie mal hier bei uns in der Abteilung gearbeitet?“, fragte er. „Sie kommen mir so bekannt vor!“ „Nein!“, erzählt der Schauspieler, habe er darauf geantwortet. „Und weil ich wegen des weinenden Kindes die ganze Geschichte ein bisschen abkürzen wollte, sagte ich dem Mann, dass ich der Hofrat sei, im ,Tatort‘.“ Daraufhin drehte er sich beleidigt um und rief mir im Gehen über die Schulter zu: „Wissen Sie, es ist ein Uhr in der Nacht! Ich lasse mich von Ihnen hier sicher nicht pflanzen!“ Gerhard Dorfer lacht.

Unzählige Hofräte und Doktoren gemimt

14 Jahre lang hat der gebürtige Wiener, der seit 30 Jahren in der Waldviertler Marktgemeinde Ottenschlag lebt und seit neun Jahren auch in Krems eine Wohnung hat, im österreichischen „Tatort“ gespielt. „Zu dieser Zeit wurde ich oft erkannt“, erzählt er, „obwohl ich ein Gesicht habe, das die Leute nicht sofort einordnen können. Das hat dann manchmal zu lustigen Situationen geführt!“

Wie viele Herren Hofräte und Doktoren der mittlerweile 75- Jährige in seiner Laufbahn gespielt hat, weiß er gar nicht so genau. „Unzählige!“, sagt er. „Die Leute haben mich oft so angesprochen und mir dann nicht geglaubt, dass ich in echt keinen dieser Titel habe!“

„Solange es mir Spaß macht,
will ich weiter auf der Bühne stehen“

Im Kaisermühlen-Blues gab Dorfer sogar den „Bundesrat“. 1999 war das. „Als ich kürzlich eine Wiederholung davon im Fernsehen gesehen habe, war das schon komisch. Man sieht sich am Bildschirm in ,jung‘. Einmal abgesehen davon, dass ich mir da immer denke, das und das hätte ich anders beziehungsweise besser machen können, ist mir da wirklich aufgefallen, dass mir jetzt deutlich jemand anders entgegenschaut, wenn ich in den Spiegel sehe.“

Ans Aufhören denkt der gelernte Tiefbauingenieur dennoch nicht: „Solange es mir Spaß macht, will ich weiter auf der Bühne stehen“, sagt er. „Ich finde: Wer rastet, der rostet! Waltraut Haas, mit der ich im Moment ,Der alte Herr Kanzleirat‘ im Gloria Theater spiele, ist in dieser Hinsicht ein großes Vorbild! Die steht mit 88 noch mit einer enormen Präsenz auf der Bühne, das finde ich bewundernswert!“