„Gern, genau, gründlich“. Bettina Hering ist die neue künstlerische Leiterin des Landestheaters St. Pölten: „Ich kitzle gern die Kanten und Ecken heraus, die nicht so offensichtlich sind.“

Erstellt am 10. Juli 2011 (19:57)
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VON THOMAS JORDA Viele Monate nach Ende der Ausschreibung (Frist war der 28. Februar) hat man doch eine Nachfolgerin für die mit Ende des nächsten Arbeitsjahres scheidende Intendantin Isabella Suppanz gefunden. Die Zürcher Dramaturgin und Regisseurin Bettina Hering wird ab 1. September 2012 als Künstlerische Leiterin das Landestheater St. Pölten führen. Ihr Vertrag läuft mit einer Option auf Verlängerung bis 31. Mai 2016. Ihre Heimat ist die Schweiz, zu Hause ist sie in Wien Bettina Hering ist Jahrgang 1960 und lebt seit rund zwanzig Jahren in Wien. Sie ist mit dem Schauspieler Markus Hering verheiratet und hat drei Kinder. Seit 1991 ist sie als freischaffende Dramaturgin und Regisseurin tätig; so betreut sie zum Beispiel „Literatur im Nebel“, hat mehrere Male in Haag inszeniert (jüngst mit großem Erfolg den „Sommernachtstraum“) und hat auch schon im Landestheater St. Pölten Regie geführt, bei der Uraufführung der „Kleinen Nachtmusik“ von Silke Hassler 2007 und beim Kinderstück „Pettersson und Findus“ 2006. Hering streut der Noch-Intendantin Suppanz Rosen. „Es ist für mich sehr spannend, ein Haus zu übernehmen, das so gut aufgestellt ist.“ Trotz des Lobs möchte sie ihre Vorgängerin aber nicht als Freundin bezeichnen. „Sie ist eine meiner Arbeitsbeziehungen, wie ich sie mit vielen Menschen habe.“ Wie es mit dem Ensemble weitergeht, lässt Hering offen. Auf der einen Seite bezeichnet sie es als „Herzstück des Hauses“, betont aber auch, wie wichtig es „für das Klima“ sei, mit wem man zusammenarbeite. Wen sie allfällig austauschen wolle, verrät sie nicht. „Da wird es noch Gespräche geben. Ich muss ja auch schauen, wer vielleicht auf dem Sprung in ein anderes Engagement ist.“ Über Spielplanpläne will Hering auch nichts verraten. „Mir liegen viele Stücke am Herzen. Ich will Klassiker ausgraben, aber auch Uraufführungen anbieten. Die Stücke sollen jedenfalls miteinander in thematischer Beziehung stehen, über den Spielplan will ich einen inhaltlichen Bogen ziehen.“ Ein mögliches Stück will sie partout nicht nennen. Nur eines entschlüpft ihr. Heinrich von Kleists „Amphitryon“ sei jedenfalls eines ihrer Lieblingsstücke. Aber auch das Kindertheater liege ihr am Herzen. „Wie Pettersson zu Findus kam“, das könne sie sich sehr gut vorstellen. Ihren Arbeitsstil beschreibt sie frei nach Friedrich von Schiller: „Ich bin jemand, der sehr gern arbeitet, genau und gründlich, vor allem aber kabalenfrei.“