Schwarz, weiß, bunt. Seit 17 Jahren kommt im Juli die ganze Welt in die Kremser Weinberge – und singt von Krieg & Frieden.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 21. Juli 2014 (00:01)
Fatoumata Diawara & Roberto
NOEN, Fonseca / Serena Aurora & Carlos Pericás

Afrika? War schon öfter da. Lateinamerika sowieso. Und Kuba, Kanada und Kurdistan erst recht.
Weil: Wenn die Kremser Winzer in die Kremser Weinberge laden, dann kommt die ganze Welt. Genauer: die ganze Welt-Musik-Welt. Was die dort macht? Musik – aber was für eine! Die geht in den Kopf, die geht in die Beine, die geht ins Herz. Und vor allem: Die geht in den Bauch. Weltmusik eben. Und manchmal auch ein bisschen Weltpolitik.

Schließlich ist das, was Niederösterreichs wichtigstes Weltmusikfest heuer schon zum 18. Mal schafft, Völkerverständigung im besten Sinne. Da schickt man den Blues aufs Schiff, das Klavier ins Wirtshaus und die Stimme in die Werkstatt. Und da stellt man Österreich und Zimbabwe, England und Kambodscha oder Spanien und den Iran auf eine Bühne. Und lässt sie singen (und spielen). Vom Krieg und von der Liebe, vom Hunger und vom Frieden, von Ängsten und Hoffnungen, von Gräueln und Grooves.

Gräuel und Grooves von Algerien bis Zimbabwe

Dass es dabei mitunter ganz schön laut zugeht, liegt in der Natur der Sache. Und stört im Weinberg, genauer: in der Sandgrube 13, so gut wie keinen. Im Gegenteil. Wem’s zu viel wird, der holt sich vor der Bühne schnell ein Achterl. Und zwei Marillenknödel. Wobei: Schade ist’s um alle, die man dabei versäumt. Und die der Kunstraum-Chef Jo Aichinger und Ö1-Stimme Albert Hosp geladen haben.

Um Afrika, das am Mittwoch die fünf Hauptfestivaltage eröffnen darf, und das Trompeter Franz Hautzinger und Posaunist Werner Puntigam in die Wüste, nein: nach „Kunzwana“ (so der Titel des Kontinent übergreifenden Afro-, Funk- und Jazzprojekts) schickt. Das Jupiter Bokondji vom Kongo und von Ostberlin singen lässt und das senegalesische Trommeln in der Clubszene drummen lässt.

Oder um Lateinamerika. Das lässt am Donnerstag Congas und Keyboards von der Pazifikküste einfliegen, schickt Brasiliens (Pop-)Star Leniné ins niederländische (Jazz-)Orchester und hat ein ganz spezielles Date für Malis Multi-Musikerin Fatoumata Diawara und Kubas Buena-Vista-Pianist Roberto Fonseca arrangiert.

Oder um den Orient. Der lässt das sagenhafte Kurdistan zwischen Tambour, Balaban und Oud erstehen, schickt den Tango in den Nahen Osten und bläst zum Festivalschluss noch einmal kräftig in die Tuba.

Dazwischen gibt’s am Freitag Krieg, nein: doch lieber Frieden. Mit einer spektakulären Uraufführung, die Komponist Renald Deppe für das Pannonische Blasorchester über Massenmorde und andere Massaker geschrieben hat. Mit Kambodschas Zwei-Saiten-Gitarrist Kong Nay, der den Terror der Roten Khmer überlebt hat. Und mit Englands politischstem Singer und Songwriter, der auch nach über 25 Jahren noch die Welt verändern will.

Poesie gibt’s bei Glatt & Verkehrt 2014 auch. Am Samstag aus Kanada, aus Mexiko – und aus Österreich, nämlich mit den Strottern und der Jazzwerkstatt Wien. Und wer dann noch immer nicht genug hat, von der Welt-Musik-Welt, der muss von 24. bis 28. September wiederkommen. Zu noch mehr Weltmusik im Kremser Klangraum und im Kremser Salzstadl …


Glatt & verkehrt 2014

Bis 27. Juli, Winzer Krems, Sandgrube 13, 02732 / 90 80 33

www.glattundverkehrt.at