Baden: Fotos stiften Frieden. Fünf international agierende Fotogarfinnen und Fotografen wurden mit der Alfred Fried-Friedensmedaille ausgezeichnet. Die prämierten Arbeiten sind am Photofestival La Gacilly Baden zu bewundern.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 23. Juli 2021 (14:46)

Journalisten stehen oft am Pranger, werden beschuldigt, „mit denen da oben“, gemeint sind die politischen Eliten eines Landes, unter einer Decke zu stecken. Wie verwundbar Journalisten bei ihrer Arbeit sind, zeigte vor Kurzem die Ermordung zweier Journalisten mitten in Europa. Längst gibt es eine „Death List“, in der die getöteten Journalistinnen und Journalisten festgehalten werden.

Mit diesen Fakten konfrontierte Márton Gergely, Chefredakteur der ungarischen Wochenzeitung HVG, das Publikum, das vergangenen Montag in den Kurpark gekommen war, um bei der Auszeichnung des „Peace Image of the year 2020“ mit dabei zu sein.

Corona-bedingt konnte das Weltfriedensfoto im Vorjahr nicht prämiert werden. Dabei ist Gergely selbst in einer schwierigen Situation: Pressefreiheit in Ungarn ist ein Gut, das durch die Berichterstattung der staatlichen Medien verhöhnt wird.

Wie man Frieden mit einem Foto festhält, darüber sinnierte Lois Lammerhuber, Direktor des Festivals La Gacilly-Baden Photo. „Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Vielmehr haben die Fotografen versucht, ein gelungenes Leben darzustellen“, sagte Lammerhuber.

Für den internationalen Fotowettbewerb "Global Peace Photo Award" ausgezeichnet wurden: Alain Schroeder für „Saving Orangutans“, Catalina Martin-Chico für „(Re) Birth“, Emeke Obanor für „Heroes“, Nicolas Asfouri für „Hongkong Unrest“, Sasan Moayyedi für „Love Story“. Den fünf Preisträgerinnen und Preisträgern wurde die Alfred-Fried-Friedensmedaille überreicht.

Der vom österreichischen Friedensnobelpreisträger 1911 Alfred Hermann Fried inspirierte und mit 10 000 Euro dotierte Hauptpreis Peace Image of the Year 2020 ging an den in Teheran lebenden iranischen Fotografen Sasan Moayyedi für seine Reportage über das erstaunliche Schicksal von Salah Saeedpour, der als 15-Jähriger bei einem Familien-Picknick in der iranisch-kurdischen Provinz Marivan nahe der Grenze zum Irak auf eine Landmine tritt und dabei beide Hände verliert. Und beide Augen.

Er wird physisch zum Krüppel. Nach den Zahlen, in denen so etwas bemessen wird, ist er seither zu 70 Prozent behindert. Aber er gibt nicht auf. Trainiert seinen verstümmelten Körper, auch ohne dass er die Welt sehen kann, bis er Medaillen im Schwimmen gewinnt. Und trifft auf die Liebe seines Lebens, eine junge kurdische Frau, die er 2014 heiratet: Sarveh Amini. Vier Monate nach der Hochzeit beginnt der iranische Fotojournalist Sasan Moayyedi, das Leben des Paares zu begleiten, bis heute. Das mit 1000 Euro dotierte beste Friedensbild in der Kinder- und Jugendkategorie, unterstützt von der Vienna Insurance Group, gewann die 14-jährige Anastasiya Bolshakova. Ihr Foto, „Flight of the Soul“ ist eine Liebeserklärung an den Sommer. An die Zeit, in der, wie sie überzeugt ist, „alles lebt“ und „die Natur aus voller Brust atmet“. An die Zeit, in der alles „für die Schönheit bereit“ sei. In der die Blumen duften. Eine Zeit des Müßiggangs und der Glückseligkeit. Frei von jeder Beschwernis. Aus einer friedlichen Kindheit in friedlicher Landschaft. Ein bisschen traumwandlerisch, sehr leicht, sehr luftig. Beseelt vom Gefühl, gefahrlos zwischen Himmel und Erde fliegen zu können.

Als Schirmherr der Veranstaltung fungierte Wolfgang Sobotka, der Präsident des Österreichischen Nationalrates. Er schätze sich glücklich, dass der Global Peace Photo Award in den Räumen des Österreichischen Parlaments vergeben werde – die sich dieses Mal allerdings für die zwei Stunden der Preisverleihung in eine Bühne im Kurpark von Baden als Ausweichquartier verwandelten, dafür aber in den Rahmen des Festival La Gacilly-Baden Photo integriert sind, wo die preisgekrönten Bilder ausgestellt sind und damit noch bis 17. Oktober von rund 300.000 Besuchern gesehen werden können.