Christian Rapp: "Da gibt es noch sehr viel zu tun“ . Christian Rapp, der wissenschaftliche Leiter, im exklusiven Gespräch mit den NÖ Nachrichten.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. Januar 2018 (02:14)
Er leitet seit Jahresbeginn die wissenschaftlichen Agenden des Hauses der Geschichte, aber erst vergangene Woche fanden der neue Direktor Christian Rapp (rechts) und der Gründungsdirektor Stefan Karner (links) Zeit, die Übergabe öffentlich zu machen.
Florian Müller

Sie leiten seit 1. Jänner das Haus der Geschichte, ausgewählt unter vielen Bewerbern. Was können Sie, was andere nicht konnten?

Christian Rapp: Ich würde sagen, es ist die langjährige Erfahrung und die Leidenschaft für Mu seen. In Kombination mit einem breiten Interesse an vielen Themen, die Geschichte in sehr vielen Facetten und die Natur.

Sie sind also museal multikulturell aufgestellt?

Rapp: Ja, genau.

Ist das Haus der Geschichte eine Zwischenetappe, planen Sie noch mehr?

Rapp: Ich habe wenig in meinem Leben geplant, auch der Beruf des Kurators den ich in den Neunzigern als Selbstständiger begonnen habe, den gab es damals überhaupt nicht und als Selbstständiger schon gar nicht. Ich war erstaunt, dass es eigentlich gut geht, als Selbstständiger in dem Bereich tätig zu werden. Ich habe auch den Schritt nach St. Pölten nicht geplant, es hat sich organisch ergeben, aus der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich. Als dann die Frage kam, dieses Haus zu leiten, hat mich das in meiner Lebensphase interessiert. Nach zwanzig Jahren, in denen ich Institutionen von außen beraten habe, will ich jetzt selbst zeigen, ob ich es kann.

Sie waren vazierender Kurator, jetzt sind Sie in ein System gepfercht, Fürchten Sie nicht, in der Kreativität behindert zu werden?

Rapp: Eigentlich nicht. Das Haus steht am Anfang, es muss erst als Institution aufgebaut werden. Es gibt ak tuell zwei große Ausstellungen, das sind wichtige Werkzeuge oder Maschinen. Aber die Institution drum herum, die müssen wir erst errichten. Wir müssen die Zusammenarbeit mit den Sammlungen und Forschungsinstituten des Landes und auch außerhalb des Landes herstellen. Wir sind sehr gut in der Wissensvermittlung aufgestellt, aber wir müssen nun auch das Sammeln und Forschen betonen und ins Haus holen. Da ist meine Kreativität gefordert, darum habe ich keine Sorge, sie zu verlieren.

Ihr Vorgänger Stefan Karner sieht das Haus der Geschichte als work in progress. Danach hätten Sie also noch genug zu tun.

Rapp: Ja, das sehe ich genauso. Wir sammeln Informa tionen, wir sammeln die Reaktionen von Besucherinnen und Besuchern, was die Dauerausstellung betrifft. Die werden auch im Laufe der Zeit verändert werden. Und wir planen natürlich auch neue Schwerpunktausstellungen. Da gibt es noch sehr viel zu tun. Und wir schauen immer, was wir besser machen können, auch im nationalen und im internationalen Vergleich.

Sehen Sie das Haus der Geschichte in Wien, falls es denn kommt, mit Sorge?

Rapp: Es kommt. Die müssen es machen. Ich wünsche ihnen dazu wirklich alles Gute. In Österreich ist genug Platz für mindestens zwei Häuser der Geschichte. Wir haben in jedem Bundesland eine Kunsthalle – kein Mensch fragt sich, warum die das nicht gemeinsam machen. Es gibt auch genug Themen für beide Häuser, um miteinander in die Zukunft zu gehen.