Haydn und die Frauen: Saisonauftakt in Rohrau

Erstellt am 28. März 2022 | 08:47
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Foto: shutterstock.com/Stokkete
Beim dritten Anlauf hat es geklappt: Die Haydnregion Niederösterreich hat die Saison 2022 am Sonntagabend mit einem schon vor zwei Jahren geplanten und aufgrund der Pandemie verschobenen Event im Haydn-Geburtshaus Rohrau eröffnet.
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"Haydn und die Frauen" lautete das Thema, das - so der künstlerische Leiter Michael Linsbauer - auch das weitere Veranstaltungsjahr begleiten wird.

Auf die Spuren von Maria Anna Haydn begab sich Gertrude Langer-Ostrawsky, langjährige Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des Landesarchivs Niederösterreich. In ihrem anschaulichen Vortrag versuchte sie, dem eher negativen Image der Ehefrau des Komponisten durch spärlich vorhandene Faktenlage eine faire Betrachtungsweise zukommen zu lassen, hatte sich doch Haydn selbst oft eher wenig schmeichelhaft über seine Gesponsin geäußert. Ursprünglich wollte er deren Schwester ehelichen, doch die ging ins Kloster.

Wenige Dokumente von Relevanz geben Zeugnis von Maria Anna Haydns Leben, darunter der Heiratsvertrag und das Testament ("Seze und ordene ich meinen lieben Ehgatten Joseph Häydn zum Erben ein"). Ein Hauptvorwurf Joseph Haydns an seine Gattin war die Kinderlosigkeit der Ehe. Mit der ebenfalls am Hofe des Fürsten Esterhazy engagierten Sängerin Luigia Polzelli soll er einen Sohn gezeugt haben. Wie auch immer: Langer-Ostrawsky relativiert das Bild des ignoranten Trampels und zeigt auf, für welche Personen Haydns Ehefrau, die 1800 in Baden verstarb, besondere Wertschätzung empfand, indem sie diese in ihrem Testament bedachte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung, bei der Klara Flieder (Violine), Christophe Pantillon (Violoncello) und Biliana Tzinlikova (Klavier) Kammermusik von Joseph und Michael Haydn erklingen ließen, rezitierte Chris Pichler aus brieflichen Konversationen zwischen Haydn und jeweiligen weiblichen Adressatinnen wie Marianne von Genzinger, die Pianistin Rebecca Schröter und eben Polzelli: ein durchaus amüsantes Korrigat zum unerotischen Papa-Haydn-Klischee.

Mit 30 Veranstaltungen an 14 Standorten in zehn Gemeinden des Bezirks Bruck an der Leitha belebt die Haydnregion Niederösterreich fünf Jahre nach ihrer Gründung die Region Römerland-Carnuntum mit einem reichhaltigen Programm. Am 8. April tritt die Wiener Kammersymphonie in der Therme der Römerstadt Carnuntum auf, am 24. April ist der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler zu Gast bei den Rohrauer Gesprächen, in Margarethen am Moos findet am 8. Mai ein Benefizkonzert für die Ukraine statt, das Festkonzert am 14. Mai im Schloss Petronell steht im Zeichen von "100 Jahre Niederösterreich".

Haydnregion Niederösterreich, Tickets und Information: Tel. 02164/2268 www.haydnregion-noe.at