Die blaue Kaiserin im Museum Gugging. Noch nie gesehene Art brut „vor der Art brut“ zeigt die heurige Herbstschau im Museum.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 08. Oktober 2019 (04:47)
Sammlung Prinzhorn/Uniklinikum Heidelberg
„200 Quaduplonen Gold“ ist der Geldschein wert, den Else Blankenhorn noch vor 1921 mit Deckfarben auf Schreibpapier in einem Sanatorium am Bodensee malte.

Die Kaiserin heißt Else. Ist ganz klein, gerade mal neun Zentimeter groß. Blass(blau), mit einem dicken schwarzen Rahmen. Kaiserlich ist sie trotzdem. „Das“, sagt Johann Feilacher, „ist eine der Spannendsten.“ Und meint Else Blankenhorn, die ihre „Kaiserin Else“ vor über hundert Jahren gemalt hat. In einer von Deutschlands Nervenheilanstalten.

Sammlung Prinzhorn/Uniklinikum Heidelberg
„200 Quaduplonen Gold“ ist der Geldschein wert, den Else Blankenhorn noch vor 1921 mit Deckfarben auf Schreibpapier in einem Sanatorium am Bodensee malte.

Dort hat einer lange, bevor die Art brut überhaupt Art brut hieß, Kunst gesammelt. Wollte mit der „pathologischen Kunst“ sogar ein Museum eröffnen. Und hat davor noch ein Buch geschrieben: „Die Bildnerei der Geisteskranken“. Die Kaiserin von Else Blankenhorn kommt darin auch vor. Und 449 andere „Fälle“. 26 davon hat das Gugginger Museum in seiner großen, heurigen Herbstschau im ersten Stock, unterm neuen Dach und hinter der neuen Fassade mit haushohem, blauem Stern versammelt. Mit 115 großteils kleinformatigen Werken.

Kaiser und Kaiserinnen sind da zu sehen, Fische, Katzen, Kühe, Menschenkörper, Kopffüßer, elegante Damen und behütete Herren, feine Buchstaben und leuchtende Farbpaletten. „Das sind auch sehr kreative, sehr lustige Zeichnungen“, meint Museumsdirektor Johann Feilacher, der seine Schau „nach künstlerischen, nicht nach medizinischen Kriterien“ (wie Hans Prinzhorn) ausgesucht hat. Wobei ein Drittel der 115 jetzt in Gugging ausgestellten Werke „noch nie“, ein zweites Drittel bisher „vielleicht ein- oder zweimal“ zu sehen waren.

Die Künstlerinnen und Künstler der Prinzhorner Sammlung waren „fast alle klassisch schizophren“. Und doch könnte „das“ – eines von Else Blankenhorns Bildern – „auch ein früher Kandinsky sein“, so Feilacher.

Bis 26. Jänner 2020, www.gugging.at