Himmlisches und Irdisches. Musica Sacra / Zur Ehre Gottes – und zur Freude der Menschen – öffnet Niederösterreichs ältestes Kirchen musikfest am Samstag seine Pforten. Wie der Himmel klingt? Nach Pauken und Posaunen. Nach Harfen und Schalmeien. Nach Orgelpfeifen und Menschenstimmen.

Erstellt am 01. September 2013 (17:10)
NOEN, FRANZ GLEISS

Wo man die hört? Auf der Erde. In der Kirche.

Dort, wo die himmlischen Töne, also die Kirchenmusik daheim ist, dorthin lädt auch Niederösterreichs ältestes Kirchenmusikfestival schon seit gut 40 Jahren alljährlich im Herbst. In St. Pöltens Dom, ins Lilienfelder und ins Herzogenburger Stift. Und zwar zum Festival „Musica Sacra“. Das hat aber längst nicht nur „Heiliges“ auf dem Programm. Und nicht nur „Altes“.

Johann Sebastian Bach traf da etwa schon auf Olivier Messiaen (2008), Georg Friedrich Händel auf Wolfgang Mitterer (2011) oder Claudio Monteverdi auf Hannes Raffaseder (2012).

Heuer spannt Domkapellmeister und Festivalleiter Otto Kargl einen mindestens ebenso weiten Bogen – von Anton Bruckner bis zu Judith Unterpertinger. Ersterer, Österreichs vielleicht gewaltigster, sicher aber gläubigster Kirchenmusiker, liegt gleich am Samstag auf dem Notenpult. Und zwar seine Messe in e-moll – die der damals 42-Jährige in ungewöhnlicher Besetzung (acht Stimmen, 15 Bläser) nach einem verschmähten Heiratsantrag komponierte.

Für Oma und eine Heldin des Alten Testaments 

Nicht für eine abhanden gekommene Braut, sondern für eine verstorbene Großmutter und die gleichnamige jüdische Heldin hat eine der jazzigsten unter Österreichs Komponistinnen und Performerinnen ihre „Judith“ geschrieben. „Eine Art Oratorium“ ist Judith Unterpertingers Auftragswerk für das Kirchenmusikfest („das wird auch für uns sehr spannend“, so Otto Kargl). Uraufführung beim Festivalschluss am 12. Oktober.

Dazwischen machen St. Pöltens „Bauchklang“ gemeinsam mit den Vokalisten von Cinquecento einen Ausflug in die Renaissance (am 15. September, ebenfalls im St. Pöltener Dom), begibt sich Bassist Roberto Sensi gemeinsam mit seinem Wiener Piccolo concerto auf Spurensuche nach den Brüdern Haydn (am 21. September in der Lilienfelder Stiftskirche) und lässt das Münchner Ensemble Lyriarte gemeinsam mit einem blutjungen Countertenor ein gerade erst (wieder-)gefundenes Händel-Gloria erklingen (am 6. Oktober in der Herzogenburger Stiftskirche).

Dazu gibt’s wie bei jeder Festivalausgabe vier Gottesdienste – mit Messen von Schubert bis Kratochwil. Und aus einer der vier Radio-Aufzeichnungen, Bruckners e-moll-Messe, soll heuer gemeinsam mit Ö1 auch eine Live-CD produziert werden.

Was sich der Festivalleiter, der zum Start auch am Dirigentenpult steht, wünscht? „Dass der Mensch in seinem Innersten bewegt wird!“ Und: Dass möglichst viele kommen – schließlich sei der Eintrittspreis (7 bis 29 Euro) „skandalös niedrig!“

Von Michaela Fleck

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