Hinter Gittern. PROJEKT / Zum dritten Mal schon spielt Regisseur Manfred Michalke mit Gefangenen Theater – diesmal: Shakespeare.

Erstellt am 23. April 2012 (00:00)

VON MICHAELA FLECK

Aus der Schauspielschule kommen seine Darsteller selten. Dafür aus der Behindertenbetreuung, aus dem Integrationshaus, aus der Drogenrehabilitation. Und: aus dem Strafvollzug.

Die, die sonst hinter Schloss und Riegel sitzen, die stehen bei Manfred Michalke auf der Bühne. Und spielen Bond („Gerettet“ 2009), Büchner („Leonce und Lena“ 2010). Und: Shakespeare.

„Variations of A Midsummernight’s Dream“ heißt das Projekt, für das der Regisseur und Vorstadttheater-Leiter seit Februar zweimal in der Woche probt. Das läuft diesmal im Rahmen des EU-Projekts PEETA, das in sechs europäischen Ländern Kunst ins Gefängnis bringen will.

„Gibt’s sogar in Chile“:  Gefangenentheater

Denn: Fördergeld, etwa vom Land, gab es für (Nieder-)Österreichs nach wie vor einzige Initiative in Sachen Gefangenentheater („So etwas gibt’s sogar in Militärdiktaturen. Da sind wir noch hinter Chile!“, so Manfred Michalke) keines. Begründung: Es entspreche nicht den Förderrichtlinien, seufzt Michalke.

Gespielt wird trotzdem. Und zwar diesmal mit vier Frauen aus NÖs Justizanstalt Schwarzau und mit acht Burschen aus der NÖ Jugendstrafvollzugsanstalt Gerasdorf. Im dortigen Kultursaal wird das Projekt diesen Freitag auch präsentiert – „auch wenn das für manche Justizwachebeamte eine Plage ist“, so der Regisseur.

Die nächste Premiere steht auch schon fest: am 11. Oktober im Wiener Kabelwerk. Dort will Manfred Michalke wieder Shakespeare spielen – mit türkisch-kurdisch-österreichischen Darstellern…