IM GESPRÄCH. NÖN: In Ihrem Buch „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ geht es um die Zeit, in der Sie als Sohn eines Psychiatrie-Direktors aufwuchsen. Wie viel davon ist wahr?

Erstellt am 24. März 2013 (13:52)
NOEN

Meyerhoff: Das Schöne ist ja gerade, dass sich diese angeblich so eindeutige Grenze zwischen Erfundenem und Erlebtem auf erhellende und beflügelnde Art und Weise immer mehr verwischt. Ich brauche reale Erlebnisse, um die Fiktionen in Gang zu setzen – und umgekehrt. Eigentlich interessiert mich diese Grenze immer weniger. Es geht vielmehr um lustvolles Erzählen.

Viele Menschen haben Probleme beim Umgang mit psychisch Kranken. Warum?

Meyerhoff: Die Antwort ist ganz einfach: Wir haben Angst, dass das, was wir für normal halten eigentlich nur eine Behauptung ist. Wir sind so viel wackeliger und fragiler, als wir das wahrhaben wollen. Ich glaube, dass wir das im Grunde ahnen und deshalb den Ort, an dem Menschen anders sind, fürchten. Hier muss sich unendlich viel ändern. So wie es eine Armutsschere gibt, gibt es auch eine Gesundheitsschere. Und der Begriff des Normalen taugt nicht mehr als Kategorie. Ich habe so viele angeblich Unnormale erlebt, die mir hundertmal näher waren als die vor Gesundheit strotzenden.

Sie sind gebürtiger Deutscher und spielen seit 2005 am Wiener Burgtheater. Gibt es etwas, das Sie mit NÖ verbindet?

Meyerhoff: Sehr viel sogar. Die Eltern meiner Freundin haben ein Haus im Waldviertel. Ich liebe diese dünn besiedelte Weite. Neben meiner norddeutschen Heimat an der Ostsee ist das Waldviertel die zweite Landschaft, die ich öfters vermisse.

„Wir sind fragiler, als wir wahrhaben wollen“