"Geschichten die mein Leben geschrieben hat". Vor Kurzem hat die Band FIN ihr Debüt vorgelegt: Die 6-Song-EP „Tales Never Told“ versammelt persönliche Geschichten der Songwriterin und Sängerin Juliane Blinzer . Die Band überrascht ihr Publikum am liebsten mit Vielfalt und wurde in Bezug auf die EP von den Fans ebenfalls überrascht, wie Juliane Blinzer Jürgen Plank erzählte. Stilistisch setzen sich FIN keine Grenzen, von Jazz bis Pop und Rock sind diverse Einflüsse erkennbar.

Erstellt am 08. September 2016 (09:06)
fin / Lena Kühleitner, fin / Lena Kühleitner

Wie ist die EP zustande gekommen?

Juliane Blinzer: Diese EP ist durch ein Crowdfunding-Projekt zustande gekommen, das von denFin-Fans initiiert wurde. Die haben das hinter unserem Rücken auf die Beine gestellt und uns damit überrascht.

Was steckt hinter dem Titel der EP „Tales Never Told“?
Dieses Singer-Songwriter-Leben gibt es für mich ja nicht erst seit der Band Fin. Ich schreibe ja schon seit der Hauptschule Lieder, damals habe ich mit der Gitarre mein erstes Lied komponiert. Die älteste Nummer der EP ist rund zehn Jahre alt, das sind Geschichten, die ich zum Teil schon sehr lange mit mir herumtrage. Geschichten, die eigentlich noch nie erzählt wurden.


„Mein allererstes Lied hieß „Moneyman“, damals war ich etwa 13 Jahre alt und ziemlich angewidert vom Kapitalismus auf dieser Welt.“

Erinnern Sie sich noch an Ihr allererstes Lied?
Mein allererstes Lied hieß „Moneyman“, damals war ich etwa 13 Jahre alt und ziemlich angewidert vom Kapitalismus auf dieser Welt. Und angewidert davon, dass eigentlich alles nur mit Geld funktioniert. Es war die Phase, in der ich begriffen habe, dass nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht in dieser Welt.

Wie verlief die Produktion der ersten CD, diese Arbeit war sicherlich neu und ungewohnt?
Ich habe begonnen, einen groben Schlachtplan zu schmieden: Wie lange soll die Arbeit dauern? Wie viel Geld soll in die CD investiert werden? Für mich war es klar, dass ich im Studio mit Werner Angerer arbeiten möchte, der schon Alben von Schmieds Puls aufgenommen hat. Ich schätze seine Art, Musik einzufangen, und ich habe bei ihm angefragt und ihn zu einer Probe eingeladen. Er hat sich einige Nummern angehört und es hat ihm so gut gefallen, dass er zugesagt hat, mit uns zu arbeiten.

War es aufregend, zum ersten Mal die eigenen Lieder aufzunehmen?
Der Prozess war natürlich sehr spannend, ich selbst war bisher nur so zum Spaß im Studio, die anderen Musiker hatten schon Studioerfahrung. Aber ich muss sagen, dass wir das gemeinsam gut gemeistert haben. Werner Angerer hat die Aufnahmeleitung ein bisschen übernommen und uns mit seiner ruhigen Art und seinem Humor gut durch diesen Prozess begleitet.

Was ist denn die Klammer zwischen den Liedern? Was vereint diese Songs zu einer EP?
Die Lieder werden durch mich und mein Herz vereint. Und durch den Prozess des Verarbeitens. Bei mir ist es so: Wenn ein Problem auftaucht – oder ich nenne es nicht gerne „Problem“, sondern „Herausforderung“ –, kann ich mir sicher sein, diese Herausforderung mit dem Schreiben eines Liedes zu meistern. Sobald das Lied fertig ist, ist diese Herausforderung auch schon wieder überwunden. Es zieht sich durch diese CD, dass man manche Fehler mehrmals machen muss.

„Ich bin manchmal selbst beeindruckt, was mein Leben für mich bereithält, das ist manchmal hollywoodreif.“

Ein Stück heißt „Sweet Déjà-Vu“. Hatten Sie schon einmal ein Déjà-vu und wenn ja, wie war das?
Die Lieder sind autobiografisch, das sind wahre Geschichten, die mein Leben geschrieben hat. Ich bin manchmal selbst beeindruckt, was mein Leben für mich bereithält, das ist manchmal hollywoodreif. Ich sage oft vor Konzerten, dass man einen Fehler mindestens zweimal machen muss, um zu wissen, dass es ein Fehler ist. Das traf wirklich zu.

Und was war das?
Eine große männliche Herausforderung. So kann man das, glaube ich, am besten sagen [lacht].

Cover "Tales never told"

Sitzen Sie musikalisch zwischen den Stühlen, weil Ihre Musik den Jazzern vielleicht zu poplastig ist und den Rockern zu ruhig? Wie schätzen Sie das ein?
Es ist natürlich so, dass ich mit Volksmusik aufgewachsen bin und mit etwa sechs Jahren begonnen habe, Gitarre zu spielen. Und ich bin mit astreiner Popmusik aus dem Radio aufgewachsen und habe mich musikalisch in Singer-Songwriter verliebt, die Popmusik machen. Ich habe dann in alle möglichen verschiedenen Musikrichtungen hineingeschnuppert.

Welche Musik inspiriert Sie persönlich?
Ich stehe auf klassische Musik, auf ganz alten, tiefschwarzen Soul und auf R ’n’ B. Der Großteil der Band studiert gemeinsam seit drei Jahren amVienna Music Institute. Das hat den Schwerpunkt Jazz und so sind wir alle stark mit Jazz in Berührung gekommen. Und natürlich beeinflusst die Ausbildung auch das Songwriting und die Art, wie wir performen, weil wir gerne Elemente aus dem Jazz mit in die Lieder und auf die Bühne nehmen. Es ist sehr schwierig, Musik zu kategorisieren. Wenn mich jemand fragt, sage ich: „Es ist ein Mädchen mit Gitarre, mit ganz verschiedenen Gewürzen – wie beim Kochen.“Manchmal sind auch rockige E-Gitarren-Soli dabei. Wir vermischen Elemente aus Rock und Jazz.

Wie reagieren die Menschen auf Ihrer Musik?
Die schönsten Rückmeldungen sind für mich, wenn die Menschen bei einem Konzert sagen, dass sie überrascht sind. Wenn die nächste Nummer wieder komplett anders ist. Für mich gibt es nichts Langweiligeres, als bei einem Konzert nach den ersten drei Nummern zu wissen, wie die nächsten zweieinhalb Stunden sein werden.

Wie läuft es aktuell für Sie? Erarbeiten Sie bereits neues Material?
Wir haben im letzten Jahr recht viel gespielt und diese Zeit war ziemlich intensiv. Die zweite Stimme, Lena Kühleitner, hat beschlossen, die Band zu verlassen und sich wieder mehr ihrem Studium zu widmen. Wir haben uns sehr freundschaftlich getrennt, nicht zerstritten. Wir sind gerade dabei, Fin neu zu formieren, vielleicht auch mit neuen Bandmitgliedern. Wir arbeiten ganz viel an neuen Nummern. Auf der EP sind Lieder, die uns schon lange begleiten, die mit der EP aber in meinen Augen auch irgendwie „fertig“ sind.

Wie geht es weiter?
Von einer jungen Band erwartet man natürlich, sobald eine EP erschienen ist, dass bald mal ein Album nachgelegt wird. Aber wir machen uns da überhaupt keinen Stress. Wir schauen einfach, was passiert. Für Herbst 2016 ist noch nicht viel geplant, aber ich vertraue da ganz auf mein Leben und meinen Weg, denn je weniger ich darüber nachdenke, umso schönere Dinge passieren eigentlich rund um mich. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass das Leben auch den richtigen musikalischen Weg für mich vorbereitet hat.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

In Kooperation mit mica – music austria