Nachgefragt bei Filmemacher Harald Friedl. Harald Friedl, Filmemacher und Wahl-Retzer, sprach mit Michaela Fleck über Visionen, Engagement und Charlie Chaplin.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 18. Februar 2020 (01:20)
Harald Friedl
Wimmer

NÖN: Diesen Donnerstag feiert Ihr jüngster Film in St. Pölten NÖ-Premiere. Was gibt’s da zu sehen? Und gibt’s auch was zu essen?
Harald Friedl:
Interessante Menschen, gutes Brot, und da wir in Niederösterreich sind, sicher auch guten Wein.

„Brot“ klingt ja, für einen Filmtitel, recht simpel. Und ist, wenn man Ihren Brotmachern so zuschaut, doch eines der raffiniertesten Handwerksprodukte. Kann man darüber so viel erzählen, dass es für 90 Minuten reicht? Oder waren die ohnehin viel zu kurz?
Friedl:
Ein Zweiteiler wäre sich ausgegangen, da es noch einige andere interessante Aspekte gäbe. BROT ist ein sinnlicher Film und ein aufklärender Film. Ich bin mir sicher, dass viele über die Zusammenhänge noch nie nachgedacht haben.

Ihre „Reise“ zum Brot beginnt – und endet – in Ihrer Nachbarschaft, im kleinen Weinviertler Örtchen Gaubitsch, wo Georg Öfferl mit seinen Natursauerteigen und seinen Krustenbroten seit einigen Jahren für Furore sorgt. Wieso gerade dort? Wieso gerade der?
Friedl:
Die Öfferls haben sich entschieden, ihre Bäckerei dort zu belassen, wo sie immer war. Filmisch waren sie allein schon deswegen besonders interessant, weil bei den Öfferls eine ganze Familie am Werk ist. Dass ich im Retzer Land zu Hause bin und die Gegend liebe, war noch ein Grund mehr, mit den Öfferls zu drehen.

Mit Ihrer Kamera waren Sie aber auch schon bei den Jägern und den Musikern, in Kärnten und in Bhutan, bei Willi Resetarits und Wilhelm Kaufmann. Was haben die gemeinsam? Und könnte man über „Glück“ oder „Brot“ nicht genauso gut ein Buch schreiben?
Friedl: Ein Buch über Brot habe ich tatsächlich geschrieben, und zwar als stiller Mitarbeiter des deutschen Bio-Pionieres Volker Schmidt Sköries. Was alle „meine“ früheren Filmcharaktere gemeinsam haben, ist eine Vision davon und Engagement dafür, die Verhältnisse in der Gesellschaft besser und fairer zu gestalten.

Und was kommt als Nächstes?
Friedl:
Ich recherchiere gerade über die Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Arbeiterinnen und Arbeiter einer Industriestadt. Also wieder ganz etwas anderes, so etwas wie „Modern Times“ von Charlie Chaplin.