Philipp Hochmair: „Schiller ist für mich wie Tarantino“. Bühnen-Star, TV-Kommissar & Theater-Rocker Philipp Hochmair über Woodstock, Großmütter, Drehpausen und Himmelsgeschenke.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 10. Juni 2021 (04:21)

NÖN: Vor fast genau einem Jahr wären Sie zum ersten Mal in Grafenegg zu Gast gewesen. Jetzt kommen Sie dieses Wochenende, und zwar gleich zweimal hintereinander. Wie laut wird’s da? Und wie wird’s überhaupt?

Philipp Hochmair: So laut, wie’s halt sein muss! Es geht ja nicht ums Lautsein. Ich borg’ mir das Genre Rockkonzert ja nur aus, um ein Stück zu spielen, um eine Geschichte zu erzählen.

Am Samstag kommen Sie mit Schiller, am Sonntag mit Hofmannsthal. Wer ist denn da der Rockstar? Wer der Revoluzzer? Und wieso darf der eine tanzen, während der andere sterben muss?

Hofmannsthal würd’ ich jetzt nicht als Revoluzzer bezeichnen. Aber Jedermann ist ein Rocksänger. Und der Tod ist ja ein Happy End, der stirbt in Frieden und für alle, als Mini-Heiland. Schiller dagegen seh’ ich als Tarantino seiner Zeit!

Wobei: Tot sind die ja beide schon länger, Hofmannsthal seit 92, Schiller schon seit 216 Jahren. Warum muss man die heute noch immer spielen? Warum muss man die heute noch immer sehen? Und brauchen die eine Rockband und einen „Schauspiel-Punk“, um sie aufzuwecken?

Die alten Balladen, die man in der Schule gelernt hat – oder nicht gelernt hat – haben einen Sprachreichtum, der gerade in dem heutigen SMS-Gedödel verloren gegangen ist. Und der jetzt wichtiger denn je ist. Meine Großmutter hat immer wieder die ‚Glocke‘ rezitiert [Anm.: die auch im „Schiller Rave“ vorkommt].

Wenn Sie mit Ihrer Band auf der Bühne stehen, wird’s aber nicht nur laut. Sondern mitunter auch ziemlich heftig. Hilft da ein Helm? Stört da ein Kostüm?

Es ist ja ein Kostüm, auch der Bauarbeiterhelm . Und die ‚Glocke‘ wird ja auch auf der Bühne gebaut…

Zurücklehnen und berieseln lassen geht jedenfalls gar nicht. Darf man beim ‚Rave‘ auch tanzen?

Oja, gerne tanzen! Wie in Woodstock [lacht]!

Und wie kommen Sie auf der Bühne von 0 auf 100?

Man sollte schon ein bisschen proben. Man muss es zum Schwingen bringen.

Auf der Bühne sind Sie mit Ihrem Schiller und Ihrem Jedermann schon (fast) überall gestanden. Im Musikverein, im Stephansdom, im Landestheater und in der Gartenarena (das war allerdings Goethe). Wie wichtig ist der Ort, fürs Spielen? Wie wichtig ist das Publikum, für den Spieler?

Die sind immer auf mich zugefallen, die Orte. Und natürlich ist der Ort wichtig, genauso wie das Publikum. Open air, wie in Grafenegg, ist super! Ich hab’ ja in Staffel 3 von „Blind ermittelt“ [Anm.: der Erfolgs-TV-Serie mit Philipp Hochmair als blindem Ermittler] in Grafenegg gedreht, da hab’ ich das gesehen…

Nur im letzten Jahr waren Sie auf keiner Bühne, dafür umso mehr am Bildschirm zu sehen. Wie dreht man wieder auf laut, wenn es so lange so leise war?

Letztes Jahr hab’ ich bis Weihnachten gedreht, dann war Pause.

Auf der Bühne waren Sie neben Jedermann und Werther aber auch schon Don Carlos und Doktor Faustus, Hamlet und Mephisto, Orest und der Gestiefele Kater. Wer fehlt da noch?

Das waren immer Geschenke, die vom Himmel gefallen sind. Den, den ich mir gewünscht hätte, darf ich heuer nicht spielen [Anm.: den „Jedermann“ in Salzburg].

Und was kommt als Nächstes?

Bei „Blind ermittelt“ sind wir jetzt bei Staffel 6 und 7. Demnächst kommt ein Kinofilm, „Das Glaszimmer“, da spiel’ ich einen Ortsgauleiter. Diverse Sommertheater kommen, und im Herbst kommt die Platte zu den Schiller Balladen…