Robert Ziegler: „Sind bereit, mehr im ORF beizutragen“

ORF-Chefredakteur Robert Ziegler (54) folgt Norbert Gollinger als Landesdirektor. Der NÖN verriet er, was er vorhat.

Walter Fahrnberger
Walter Fahrnberger Erstellt am 22. September 2021 | 09:09
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Im ORF-Landesstudio Niederösterreich tauschte der designierte ORF-Landesdirektor und Noch-Chefredakteur Robert Ziegler (l.) die Seiten und wurde von NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger über seine Ziele und Vorhaben befragt.
Foto: Erich Marschik

NÖN: Wie fühlt sich das an, wenn man als „Herr Landesdirektor“ angesprochen wird?
Robert Ziegler: Gewöhnungsbedürftig. Vor allem weil ich ja – mit vier Jahren Unterbrechung – durchgehend seit 23 Jahren im Landesstudio NÖ bin. Ich kenne jede und jeden im Haus. An dem Verhältnis untereinander wird sich auch nichts ändern.

War es einmal ein Berufsziel, Landesdirektor zu werden?
Nein. Das kann man nicht planen. Im Rückblick ist es beeindruckend, wenn ich denke, dass ich im Juli 1998 stolz war, als die erste Meldung von mir im Radio überhaupt verlesen wurde. Dass ich einmal dieses Haus leiten darf, das war nicht einmal ein Gedanke.

Sie sind immer leidenschaftlich gern vor der Kamera gestanden. Wird Ihnen das abgehen?
Zum Einen ja. Aber alles hat seine Zeit. Jetzt kommen neue Herausforderungen. Nachweinen werde ich dem nicht, auch wenn ich von Herzen Journalist bin.

Welches Ereignis hat Sie in diesen 23 Jahren vor der Kamera am meisten bewegt?
Das war das Hochwasser 2002. Es war das erste Ereignis, bei dem ich über viele Tage live im Einsatz war. Oft haben wir nicht einmal zu Hause geschlafen, sondern nur frische Wäsche geholt und sind weitergefahren.

Nach der Wahl zum Landesdirektor haben Sie angekündigt, den ORF NÖ zu einem der führenden Studios bei der Digitalisierung machen zu wollen. Was haben Sie vor?
Wir erleben jetzt eine Generation, bei der wir uns nicht sicher sein können, dass die Annahme „Irgendwann erreicht jeder das Alter, in dem er Radio Niederösterreich hört oder Niederösterreich heute schaut“ noch stattfindet. Daher müssen wir uns überlegen, wie wir die regionalen Inhalte in der nächsten Generation auf den richtigen Plattformen anbieten. Dazu braucht es eine ORF-Gesamtstrategie, dazu braucht es auch die gesetzlichen Möglichkeiten.

Gerade bei der jüngeren Zielgruppe nimmt das Streaming enorm zu. Hat das lineare Fernsehen noch Zukunft?
Lineares Fernsehen wurde schon vor Jahren totgesagt. Wir haben gerade jetzt in der Corona-Krise erlebt, wie wichtig klassisches Fernsehen ist. Wir hatten unheimliche Quotensteigerungen, die auch jetzt noch anhalten, für den gesamten ORF und speziell auch für Niederösterreich heute. Lineares Fernsehen wird es im Sinne von Nachrichten und wirklichen Live-Erlebnissen noch viele Jahre geben. Zum Beispiel beim Sport oder bei der Politik wie im Vorjahr bei den Gemeinderatswahlen.  Die Frage ist, wo erreicht man die Jungen? Die Tages-Informationen kann man sich im Fernsehen anschauen, die kann man online schauen und die werden jüngere Leute auf anderen Plattformen auch bekommen. Da müssen wir die nächsten Schritte machen. Aber lineares Fernsehen wird es noch viele, viele Jahre geben. Das Fernsehen hat das Radio nicht verdrängt, Online hat das Fernsehen nicht verdrängt und das ganze Digitale wird das andere nicht verdrängen. Es ist ein Nebeneinander geworden.

Werden Sie auch auf neue Formate im TV setzen?
Die Landesstudios, allen voran der ORF NÖ, sind bereit, mehr zum Programmerfolg des gesamten ORF beizutragen. Wir haben das mit der Bundesländer-Show „9 Plätze – 9 Schätze“mit über einer Million Zuseherinnen und Zusehern schon bewiesen. Wir sind zu allem bereit, seien es mehr Hauptabende zu speziellen Themen oder etwa ein Kurznachrichtenformat außerhalb von „Niederösterreich heute“.

Der neue ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat lange beim ORF Niederösterreich gearbeitet. Sehen Sie das Landesstudio als Kaderschmiede?
Ja, es ist mir auch ein Anliegen, jungen ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln. Auch Ingrid Thurnher (Anm.: aktuell zur Radiodirektorin gewählt ) und Margit Laufer (Zeit im Bild) haben beim ORF NÖ begonnen.

Wie beurteilen Sie die Konkurrenzsituation in der Medienlandschaft Niederösterreichs?
Ich finde es vorbildlich, dass es gerade in Niederösterreich unter allen Medien eine sehr gute Gesprächsbasis gibt – im Speziellen ja auch mit den Zeitungen wie etwa NÖN. Ich glaube, das zeichnet uns in Niederösterreich aus, weil wir alle eine Aufgabe haben: nämlich die besten Informationen, Service und Unterhaltung zu bieten.

Wissen Sie schon, wer Ihnen als Chefredakteur beim ORF NÖ folgen wird?
Ich bin bis 31. Dezember Chefredakteur. Es wird, wie beim ORF üblich, eine Ausschreibung und ein Bewerbungsverfahren geben. Wir haben das Glück, dass wir eine Reihe von qualifizierten Personen haben, die führende Aufgaben übernehmen könnten.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit außerhalb des ORF-Alltags?
Wir haben eine ziemlich große Familie mit acht Kindern und fünf Enkelkindern. Da kommt es schon vor, dass ich mit einem Enkelkind am Spielplatz bin. Sonst mache ich gern Bewegung in der freien Natur, ich gehe gerne wandern und radfahren, und dann gibt es natürlich die Musik. Zur Entspannung Bach oder Mozart zu hören, das ist schon eine tolle Sache.