Kinder, Kunst und Anne Frank

Erstellt am 25. Jänner 2023 | 04:18
Lesezeit: 4 Min
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Mit Hut, Stock und Leidenschaft: teatro-Leiter Norberto Bertassi in der Garderobe – und im Kostüm für die alljährliche teatro-„Weihnachtsgeschichte“.
Foto: Norberto Bertassi
25 ist Norberto Bertassis Theaterverein für junge Menschen mit Sitz in Mödling heuer. Und spielt zum Geburtstag „Anne Frank“.
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„Nettes Kindertheater“ ist ihm zu wenig. Er möchte „Kunst machen“. Sagt Norberto Bertassi. Und macht das, nämlich: Kunst für Kinder – und Kunst mit Kindern – schon seit mittlerweile 25 Jahren. Hinter der Bühne und auf der Bühne.

Wobei: Begonnen hat alles auf der Bühne. „Es war, wie immer im Leben, eine tragische Situation“, erinnert sich der Theatermacher mit dem italienischen Namen und der vielversprechenden Karriere. „Elisabeth“ hat er im Wiener Raimund Theater gespielt, „Rebecca“ – „das war meine letzte große Rolle“. Davor, 1994, wurde Norberto Bertassi schwer krank. Zog aufs Land, nach Mariensee am Wechsel. Studierte Komposition. Und brachte sein erstes, selbst produziertes „Schauspielstück“ heraus – „mit zehn Kindern, die in der Gegend rumgelaufen sind“.

Wir nehmen die Kinder sehr ernst!“ Norberto Bertassi, Schauspieler, Regisseur und teatro-Gründer und -Leiter

Dabei wollte der Musicaldarsteller eigentlich ein Kulturzentrum in Mönichkirchen ins Leben rufen, im „ziemlich verfallenen Anton-Wildgans-Haus“. Daraus wurde nichts. Stattdessen meinten die Biobauern, wo Bertassi eingezogen war: „Dann machen wir’s halt bei uns!“ Die Bäuerin strich Brote, die Kinder spielten, und 300 Leute kamen in den Bauernhof-Hof. „Wir waren bummvoll“, erzählt der Initiator, und dann „ist es gewachsen und gewachsen“. Man schrieb Workshops aus – mittlerweile laufen drei Musical Academys in Wien und eine in Mödling (und viele, die dort als Kinder begonnen haben, stehen als Erwachsene schon auf anderen Bühnen) –, suchte einen Namen – und einen (neuen) Spielort.

„Der Name“, gibt Norberto Bertassi zu, „hat natürlich mit mir zu tun.“ Erst hieß das Projekt Kultur am Wechsel, „dann irgendwas mit Märchen“. Er wollte aber etwas „Kurzes, Knackiges“, vielleicht auch Italienisches. teatro.at war als Internet-Domäne noch frei – „den hab’ ich sofort genommen“. Seither, also seit 1998, heißt Niederösterreichs erster „Musiktheaterverein für junges Publikum“ teatro. Und seit 2011 sitzt der in Mödling.

„Wir sind“, erklärt teatro-Gründer Norberto Bertassi, „gewandert“. Vom Biobauernhof in Mariensee in ein umgebautes Sägewerk, nach Lanzenkirchen, nach Schönau an der Triesting, wo man schon im Freien spielen wollte. Da hörte Andreas Steppan bei den Mödlinger Komödienspielen auf. „Und wir machten einen Luftsprung!“ Seither spielt man erst eine, später zwei Sommerproduktionen im Mödlinger Stadttheater, zwischendurch auch in der Europahalle, außerdem eine Weihnachtsproduktion in der Stadtgalerie. Und, im Geburtstagsjahr, auch noch eine Frühjahrspremiere.

„Anne Frank“ feiert am 27. Jänner Welturaufführung

„Anne Frank“ heißt die 2023. Und erzählt die Geschichte eines „Kindes und eines Teenies, mit all ihren Wünschen und Problemen“ – und einem Krieg im Hintergrund. „Der Krieg spielt bei uns keine Hauptrolle“, stellt Bertassi klar, für den der Krieg in der Ukraine der Anlass für sein Geburtstagsstück war. Denn: „Das ist eine notwendige Geschichte – auch wenn sie nicht gut ausgeht.“ In der es um Angst und Unterdrückung geht. In der aber, etwa bei der Hochzeit der Eltern, sogar getanzt werden darf. Premiere – und Welturaufführung, schließlich stammen Buch und Regie des Familienmusicals von teatro-Dramaturg Norbert Holoubek – ist am 27. Jänner , dem Holocaust-Gedenktag, gespielt wird bis 2. Februar, in der Hauptrolle ist Volksopern-Jung-Star Juliette Khalil zu sehen.

Und danach? Kommen im Juli „Anne auf Green Gables“ und „Cinderella“ („Emanzipation ist mir schon wichtig“, so Bertassi.) Und was soll noch kommen, für teatro? „Pinocchio“ („den möchte ich gerne wieder machen“), „Secret Garden“ („das liegt mir sehr am Herzen“), „In 80 Tagen um die Welt“ oder „Sophie Scholl“ („ich wohn’ ja in der Sophie Scholl-Gasse“, so Bertassi). Und: „vielleicht ein EU-Projekt“, nach dem Krieg, mit ukrainischen und österreichischen Kindern. Norberto Bertassi: „Dazu hab’ ich noch einen großen Plan im Hinterkopf!“

www.teatro.at