Johann Wenzel Bergl: Im Tiergarten des Barock. Zum 300. Geburtstag wollen Johann Wenzel Bergls Fresken entdeckt werden – von Melk bis Klein-Mariazell.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 14. Mai 2019 (02:26)

Rosa Elefanten. Weiße Tauben. Blonde Affen. Aber auch: Verschreckte Dromedare. Verdutzte Sträuße. Kokette Tiger. Und ein Krokodil, das sein hungriges Maul schon nach der nächsten Beute ausstreckt.

„Bekannt ist er vor allem durch seine Landschaftsmalerei“, sagt Thomas Aigner. Und dazu gehört auch allerlei Getier. Wobei: Bekannt ist bei Johann Wenzel Bergl relativ. „Eigentlich ist er von der Kunstgeschichte sträflich vernachlässigt worden“, stellt der Leiter des St. Pöltner Diözesanarchives, der nebenbei dem Kulturverein im Oberen Triestingtal vorsteht, fest. Und der dort gerade ein ganz besonderes Geburtstagsfest vorbereitet: das 300ste des Vernachlässigten.

Johann Wenzel Bergl zählt laut Thomas Aigner „sicher zu den bedeutendsten Barock-Malern“. Er habe nicht nur einen unverwechselbaren Stil. Er ist „einfach schön“! Und: Er ist einer, „der sehr unterhaltsam malt, nicht so todernst wie Troger“. Man müsse nur näher hinschauen. Zum Beispiel auf das Krokodil mit seinem hungrigen Maul. Auf die Affen mit den frechen Nasen. Auf das Dromedar mit dem verschreckten Blick. Oder auf die Engel mit dem erhabenen Ernst. Auf die Heilige Maria mit der sanften Glorie. Auf die Musikanten mit den dicken Waden und den wilden Locken. „Zurück zur Exzentrik“, schreibt dazu der farbenprächtige Geburtstagsfolder. Und: „Temperament statt Charakter.“

Wenzel Bergl begann erst spät zu malen

Wobei: Eigenständig zu malen begann der 1719 im böhmischen Königinhof geborene Bergl erst spät. Sein erstes großes Werk, „seine Visitenkarte“, entstand 1758, „da war er schon 40“. Und: Da war er gerade im Triestingtal, in Klein-Mariazell. Wieso er gerade dorthin gekommen ist, weiß man nicht. Vermutlich, weil er vorher nach Wien gegangen war. Bei Paul Troger an der Akademie studiert hatte. Und weil ihn der Abt des damaligen Benediktinerklosters in Mariazell im Wienerwald engagiert hatte. Um die ganze Klosterkirche mit Fresken auszustatten, zum Leben Mariens.

Fünf Jahre später, 1763, war Johann Wenzel Bergl schon in einem anderen Benediktinerkloster engagiert: in Melk. Und malte dort nicht nur ein schwimmendes Einhorn in den oberen Bibliothekssälen, in der Prälaturkapelle oder im Sommerschloss der Prälaten in Pielach. Er malte auch die Elefanten, Affen, Krokodile in einer märchenhaften Szenerie aus exotischen Pflanzen und fremden Ländern im Gartenpavillon des Stiftes.

Das war aber längst nicht alles. In der Hofburg, in Schönbrunn und im Schloss Donaudorf, in Seitenstetten, in Altenburg und im Neukloster in Wiener Neustadt, in der Wiener Nationalbibliothek und im tschechischen Olmütz – überall finden sich Deckenfresken und Wandbilder, Kreuzwege und ganze „Bergl-Zimmer“ voller schillernder Landschaften.

Sie alle haben sich zum 300sten Geburtstag des Troger-Schülers und Maulpertsch-Weggefährten zusammengeschlossen. Und zeigen selten Zugängliches, frisch Renoviertes oder liebevoll Erklärtes, wie auf dem kleinen Themenweg im ehemaligen Mönchs- und heutigen Bergl-Garten in Klein-Mariazell, wo man „in zwei bis drei Jahren“ auch ein Bergl-Museum bauen will.

Erst aber wird gefeiert. Mit einem prächtigen Bild- und Textband von Andreas Gamerith („Einerseits Bergl – Andererseits Bergl“ mit 192 Seiten um 17,19 Euro). Und mit Ehrengästen, Segnung und Barockmusik. Am 18. Mai, in Klein-Mariazell.

www.bergl-2019.eu