Löwen und andere sensible Typen. Maria Köstlinger spielt nicht nur mit den „Weibern“ in der Vorstadt. Sondern diese Woche auch mit ihrem Jugendensemble auf der Badener Trabrennbahn. Und sprach mit der NÖN über Praterstimmung, Theaterluft, junge Leute, junge Liebe und nächste Pläne.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 19. Juni 2018 (14:03)
JÜRGEN MAURER
Melanie Hackl, Mara Romei, Maria Köstlinger und Nils Arztmann

NÖN: Am Freitag, dem 22. Juni, feiern Sie eine ganz besondere NÖ-Premiere. Und zwar auf der Badener Trabrennbahn. Wird da getrabt? Wird da gerannt? Und vor allem: Was wird da gespielt?
Maria Köstlinger: Gegeben wird „Liliom“ von Molnar. Und die Praterstimmung auf einem Schießbudenwagen am Trabrennplatz – passt doch perfekt!

Der „Liliom“, der da am Start, nein: auf Ihren Theaterwagen steht, ist ja nicht gerade ein Held. Auch wenn er gut im Angeben und Ausrufen und Ansaufen und Aufreißen ist. Wie macht man denn so einen zu einem guten Menschen? Wie bringt man so einen auf die Bühne? Und was hat der, was andere Titelfiguren nicht haben?
Man sieht dieser Figur, diesem Versager noch immer gerne zu. Warum? Diese versteckte Sensibilität gepaart mit der Aggression, das ist glaube ich ein Punkt. Und das Weiche, das Sich-Nicht-Erklären-Können, das ist das, was Julie in Liliom erkennt.

JÜRGEN MAURER
Maria Köstlinger, Nils Arztmann, Melanie Hackl und Mara Romei

Die „Vorstadtlegende“ vom Karussellausrufer stammt zwar von Franz Molnar. Könnte aber ebenso gut von Schnitzler und von Horvath sein. Und ist heute nicht weniger aktuell als vor 109 Jahren, zu seiner Entstehungszeit. Was braucht die, damit sie heute funktioniert? Und was hat die, damit sie auch junge Leute interessiert?
Ein Stück über junge Leute und die Liebe, die ganze Bandbreite – überschwängliches Glück, tiefe Verzweiflung, Einsamkeit, Zweisamkeit, Hoffnung, Mut, Unfähigkeit und Tragik – all dies spricht jeden an.

Stichwort: Junge Leute. Ihr Ensemble ist zwischen 10 und 20 Jahren jung. Spielt, alljährlich in wechselnder Besetzung, schon seit 2007 jeden Sommer Theater. Und nennt sich – heuer auch passend zum Stück – gutgebrüllt. Abgesehen vom Gebrüll: Was braucht man denn, als Kinder- oder Jugendschauspieler? Mut? Geld? Vorbilder? Und was braucht man als Regisseurin, um mit jungen Leuten zu spielen? Geduld? Geld? Können?
Man braucht vor allem Leidenschaft, viel Humor, Disziplin und Mut! Und das einfühlsam in Szene zu setzen, wäre dann noch zusätzlich eine Aufgabe des Regisseurs [Anmerkung: im Fall von „Liliom“: Maria Köstlinger].

Ihre Tochter steht ja auch auf der Besetzungsliste des „Liliom“. Die ist jetzt 17. Wie funktioniert das auf der Bühne? Wie funktioniert das hinter den Kulissen? Und kann man das Spielen tatsächlich vererben?
Ich glaube, Theaterluft als Kind einzuatmen, ist sehr speziell. Sich erlauben zu können, den Gefühlen freien Lauf zu lassen, zu merken, die Zuschauer sind gebannt und hören mir  oder uns zu… Diese Erlebnisse prägen einen. Ich kann es sehr gut verstehen, dass man zum Theater will. Ob das vererbbar ist? Gute Gene tragen schon etwas dazu bei, denke ich.

MORITZ SCHELL
Melanie Hackl und Maria Köstlinger

Bei gutgebrüllt führen Sie Regie, vor der Kamera spielen Sie seit drei Jahren eines der „Vorstadtweiber“, an der Josefstadt spielen Sie heuer noch Kehlmann und Schnitzler. Was oder wen wollen Sie unbedingt noch spielen? Vor dem Vorhang? Hinter der Bühne? Vor der Kamera? Oder sonstwo?
Ich habe schon so viele tolle Rollen spielen dürfen und habe keinen besonderen Wunsch. Außer die Hoffnung, dass ich weiterhin so schöne Aufgaben und Herausforderungen bekomme. Heuer zwei Romanfassungen wie „Engel mit der Posaune“ und „Madame Bovary" spielen zu dürfen, war ein Geschenk! Nächstes Jahr folgen Kehlmann und Schnitzler - was für ein Glück“. Und bei den „Vorstadtweibern" fangen wir am 29. Juni an, die vierte Staffel zu drehen… Was will man mehr?

Termine

„Liliom“ von Franz Molnar, 22. & 23. Juni, Trabrennbahn Baden und 14. & 15. September, Retz. www.gutgebruellt.at