Ironimus ist 90: Gefeiert wird der Meister in Krems. Gustav Peichl ist 90 Jahre alt – und ganz entspannt politikfrei.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 06. März 2018 (02:25)
Günter S. Kargl
Das waren Zeiten! Gustav „Ironimus“ Peichl (links) und Manfred Deix, die geistigen Väter des Karikaturmuseums Krems, im Jahr 2006. Deix ist verstorben, Peichl neunzig Jahre alt.

In wenigen Tagen, am 18. März, wird er neunzig Jahre alt. Er sieht fast nichts mehr, sagt er, und hört auch ganz schlecht – aber das ist angesichts seiner beeindruckenden Agilität eher als Koketterie zu sehen. Denn Gustav Peichl, der als Ironimus Karikaturgeschichte geschrieben hat, war glücklicher Gast der Eröffnung seiner Geburtstagsausstellung im Karikaturmuseum Krems, ein architektonisches Kind des Meisters.

Der Titel der von Direktor Gottfried Gusenbauer kuratierten Schau im Ironimus-Kabinett – „Jetzt mal keine Politik! Cartoons von 1948 bis 2018“ – ist tatsächlich Programm. Man reduziere Peichl oft auf politische Karikaturen und beeindruckende Darstellung meist bekannter Persönlichkeiten, aber seine Kunst sei größer, meint Gusenbauer: „Viele feinsinnige Cartoons und hintergründige Beobachtungen, die mit der Doppelbödigkeit des Lebens und der Kunst spielen, sind ein zen-trales Thema unserer Schau.“

zVg
Junge Arbeiten von Ironimus; Metamorphosen, Nr. 10, 2015.

Vor allem also Kunst und Künstler hat Peichl immer wieder im Visier, originell, freundlich, liebevoll, manchmal auch boshaft.

Doch nie vordergründig. wenn etwa der Hausherr einer hypermodernen Villa nur ein Objekt bestaunt, das auf einem Sims angebrachte Vogelhaus im Tiroler Stil, dann genügt das, um zu erfahren, was Ironimus von manchen architektonischen Moden hält. Bis 27. Mai.