Säulenheiliger & Schmuddelkind. Zum 70. Geburtstag des Künstlers zeigt das Karikaturmuseum Krems wichtige Arbeiten von Manfred Deix.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 05. Februar 2019 (02:03)
Karikaturmuseum Krems, Fuchs
Das waren noch Zeiten, als die Töchter in der Bundeshymne der Macho-Republik Österreich undenkbar waren: Manfred Deix, „… Heimat bist du großer Söhne“, 1975.

Ein bisserl ähnelt sein Schicksal dem von Thomas Bernhard. Der Schmuddelei an der österreichischen Seele wurden beide einst bezichtigt. Heute gelten sie als Säulenheilige der Kunst.

In wenigen Tagen, am 22. Februar, würde der aus St. Pölten gebürtige Deix seinen siebzigsten Geburtstag feiern – wäre er nicht schon am 25. Juni 2016 in Klosterneuburg gestorben. Seine Bilder sind in altmeisterlicher Qualität gearbeitet, der darin manifeste Geist darf provozieren, schockieren, aufrütteln. Die Begeisterung, die er damit auslöst, ist ungebrochen.

Karikaturmuseum Krems, Fuchs
Ein bisserl unanständig war er schon, der Manfred Deix: „Bonbonverkäuferin mit Unterwind“.

Zu seinem Geburtstag zeigt das Karikaturmuseum Krems nun eine von Gottfried Gusenbauer, dem Direktor des Hauses, kuratierte Schau mit über 120 Cartoons aus den Landessammlungen Niederösterreichs.

Dabei wurden viele Arbeiten lange nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Arbeiten, meist Aquarell auf Papier, sind höchst lichtempfindlich und müssen, nachdem sie einem Ausstellungslicht ausgesetzt waren, für mindestens sechs Jahr in Dunkelhaft. So sind die „Sieben Todsünden“, eines der Hauptwerke, seit acht Jahren erstmals wieder zu bestaunen. Ergänzend zu den gehängten Bildern sind viele Ladenschränke mit Werken gefüllt und zugänglich. Rührend etwa die Arbeit „ÖVP in Afrika“. Da sah Deix bereits 1987 die Afrikabeziehungen des Bundeskanzlers voraus.

Ab Februar gibt es – jeweils mehrere Monate dauernde – Exkurse zu Kolleginnen und Kollegen von Manfred Deix, Cartoonstilen und kulturellen Unterschieden im Verständnis von Humor gezeigt: „Deix & Friends“, „Caricature brute. Das Gegenteil von schön gezeichnet“ und schließlich „Amerikanischer versus österreichischer Humor“.