30 Jahre Festspiele Reichenau – mit Arthur Schnitzler. Bilanz von 30 Jahren und ein anspruchsvolles Programm im Sommer – mit Schnitzler, Werfel und Tennessee Williams.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 23. Januar 2018 (01:23)
Dimo Dimov
„Endstation Sehnsucht“: Petra Morzé als Blanche.

„Die Idee, Texte von Karl Farkas mit Burgschauspielern auf die Bühne zu bringen“, erinnert sich Peter Loidolt, „wurde entweder milde belächelt oder heftig kritisiert. Doch es war ein gigantischer Erfolg.“

Dreißig Jahre später bringt das Intendantenehepaar Renate und Peter Loidolt erneut Karl Farkas zu den Festspielen Reichenau – mit Peter Matic, Miguel-Herz-Kestranek („Intelligenter Humor ist zeitlos. Traurig, wie wenig von Karl Farkas bekannt ist.“) und Nicolaus Hagg („Bei Humor verstehen wir keinen Spaß!“).

Doch der Blick zurück ist nicht sentimental, sondern voll Stolz. Immerhin verzeichnen die Festspiele von 1988 bis 2017 die beeindruckende Zahl von 901.328 Besucherinnen und Besuchern, die 2.542 Vorstellungen erlebt haben. Peter Loidolt bemerkt diesbezüglich: „Uns ist es durch diese dreißig Jahre gelungen, die Qualität zu halten. Das ist viel schwieriger, als einzelne Höhepunkte zu produzieren.“

"Entscheidend sind die Menschen, die dahinter stehen"

Und Renate Loidolt: „Zahlen sind nur das Eine. Entscheidend sind die Menschen, die dahinter stehen.“ Die Loidolts als das einigende Band der Festspiele haben schon viele Politiker vorbeiziehen sehen – derzeit hält man beim achten Kunstminister …

Ein Ende ist nicht abzusehen, wie beide betonen: „Wenn es uns weiter so geht, wie es uns heute geht, dann sind noch viele Jahre von uns zu erwarten.“ Rund 42.000 Gäste wurden in den vergangenen Jahren jeden Sommer verzeichnet; das wird diesmal nicht anders sein.

Auf dem Programm steht mit Arthur Schnitzler wieder „der Heilige von Reichenau“ (Renate Loidolt). „Das Vermächtnis“ ist bei den Festspielen noch nie gezeigt worden, dort also eine Uraufführung dieses Werkes, das als besonders zeitlos und tabubrechend gilt (mit Joseph Lorenz und Regina Fritsch). Dann – im Reigen der „Frauenschicksale“ – Tennessee Williams Drama „Endstation Sehnsucht“ (mit Petra Morzé) und – als obligate Dramatisierung, diesmal wieder von Nicolaus Hagg – Franz Werfels „Cella (oder die Überwinder)“, in den Hauptrollen Julia Stemberger und August Schmölzer. In Renate Loidolts Zyklus „Literatur in Szene“ wird heuer Joseph Roth geboten, mit den Publikumslieblingen Joseph Lorenz, Marcello de Nardo und Julia Stemberger.