Klänge aus aller Welt. Von Serbien bis Brasilien kommen die Gäste zum größten Weltmusikfest an der Donau.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 29. Juni 2015 (05:01)
NOEN, Andre Amorim

Ab Freitag. Der Name ist bei ihm Programm. Und zwar wortwörtlich.Nur, dass es bei (Nieder-)Österreichs größtem Weltmusikfest nicht um Pullover geht. Sondern um Töne. Weltmusiktöne.

Die bringt „Glatt & verkehrt“ heuer schon zum 19. Mal auf die Konzertbühne. Und diese Bühne steht heuer schon zum 20. Mal mitten in den Weinbergen. Denn dort hat es angefangen, mit der Weltmusik.

Zum 20. Mal bei Winzern Krems

1995 war das, im September, „da war es ziemlich kalt“, und das Ganze hieß noch „Akkor deonfestival“, erzählt Jo Aichinger. Zwei Jahre später gab’s bei den Kremser Winzern die erste Auflage von „Glatt & verkehrt“, weil: „Es hat damals nichts gegeben, was ethnische Musik betrifft“, so der Festivalgründer. Heute gibt es in Sachen ethnischer oder kurz Welt-Musik zwar jede Menge. Aber wenig live und wenig auch in Österreich. „Die großen Festivals sind in Deutschland oder in Belgien“, meint Aichinger. Nur: „Die kaufen ein. Wir suchen!“ Nach Altem, nach Neuem, und vor allem nach dem, was thematisch oder geografisch gerade ins ausführliche Programm passt.

Geografisch ist das heuer fürs Hauptfestival bei den Winzern (22. bis 26. Juli) vor allem Lateinamerika, mit ein paar kurzen Abstechern auf den Balkan, in den Kongo, in den Nahen Osten oder ins französische Kanada. Thematisch ist das heuer die Geige, von der brasilianischen bis zur rockigen, die Stimme, vom Jodler bis zum Kehlkopfgesang, und die Oud. Zur brasilianischen Geige und einem ihrer leidenschaftlichsten Spieler hat Jo Aichinger auch noch eine Geschichte zu erzählen.

Vom Zuckerrohr zur ersten Geige

Mit 54 erst sei der brasilianische Zuckerrohr-Plantagenarbeiter Nelson dos Santos „draufgekommen, er will Musiker werden. Und zwar, weil er eine Rabeca (eine Frühform unserer Geige) im Fernsehen gesehen hat. Kurz darauf hat er selbst eine gebaut. Und ein paar solche selbst gebaute bringt er auch mit nach Krems.“ Heute heißt er Nelson da Rabeca, ist 86 und in Brasi lien eine Legende. In Krems spielt er nicht nur mit Dona Benedita, mit er seit 1948 verheiratet ist. Sondern auch im Geigentrio mit dem Her zogenburger Toni Burger und dem Waidhofener Paul Dangl. „Solche Projekte sind natürlich ein gewisses Risiko. Da weiß man nie, was herauskommt“, gibt Jo Aichinger zu. Dafür seien sie umso spannender.

Wie auch die „Musik unterm Marillenbaum“, die nach über zehn Jahren wieder den Catering-Bereich der Winzer bespielt, und zwar vor und nach den Konzerten und in den Pausen. Oder die Abstecher an die Donau, die am 9. und 10. Juli (ganz ohne Marillenkirtag) unter anderem die Strottern ins Schloss Spitz bringen. Nur die schon traditionelle Schifffahrt am Auftaktwochenende (3. bis 5. Juli), die ist heuer schon hoffnungslos ausverkauft … 

www. glattundverkehrt.at